Chinesischer Regimekritiker Unterstützer pilgern zu Ai Weiweis Studio

Sie campieren vor seinem Studio und werfen Geldschein-Papierflieger über die Mauer: Dem mit Steuerforderungen in Millionenhöhe konfrontierten Künstler Ai Weiwei sind Unterstützer aus ganz China zur Hilfe geeilt. Seine Mutter will sogar eine Hypothek auf ihr Haus aufnehmen.

Unterstützer vor Ai Weiweis Haus in Peking, Juni 2011
AP

Unterstützer vor Ai Weiweis Haus in Peking, Juni 2011


Hamburg/Peking - Die Menschen seien tausende Kilometer nach Peking gereist, um ihre Solidarität zu zeigen, erklärte Ai Weiwei am Mittwoch. Einige seien sogar von der 3000 Kilometer südlich gelegenen Hainan-Insel gekommen. Von morgens bis abends harrten die Unterstützer des Künstlers vor seinem Studio aus. Es handele sich um Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, "von Studenten bis Geschäftsleuten", so der chinesische Künstler und Regimekritiker.

Chinas Behörden hatten Ai vor wenigen Tagen zur Zahlung einer angeblichen Steuerschuld in Höhe von 15 Millionen Yuan (1,7 Millionen Euro) aufgefordert. Durch Spenden sind seither bereits rund sechs Millionen Yuan zusammengekommen, wie eine Mitarbeiterin des Künstlers erklärte. Unterstützer hatten nach Bekanntwerden der Forderungen die Mikroblog-Seite Sina Weibo eingerichtet, über die Ai Weiwei online Spenden empfangen kann.

Die Anhänger, die zu seinem Studio gekommen sind, bevorzugen die analoge Form der Geldspende. Einige von ihnen bastelten aus Banknoten Papierflieger, um sie über die die Mauer segeln zu lassen. Andere wickelten Früchte in Geldscheine und warfen diese in den Hof seines Hauses.

Moralische Unterstützung

Der Künstler, der schon Werke für mehrere hunderttausend Dollar verkauft hat, erklärte, er brauche nicht Geld, sondern vor allem moralische Unterstützung. Nichtsdestotrotz hat seine Mutter angekündigt, eine Hypothek für ihr Haus aufzunehmen, um ihm bei der Zahlung der angeblichen Steuerschuld zu helfen.

Ai Weiwei war bereits Anfang April wegen angeblicher Steuervergehen festgenommen und fast drei Monate ohne Anklage an einem unbekannten Ort inhaftiert worden. Erst Ende Juni hatten ihn die Behörden nach 81 Tagen Haft entlassen.

Im offenen Clinch mit der Staatsmacht liegt er, seit er nach dem Erdbeben 2008 in der Provinz Sichuan eine unabhängige Untersuchung der Gründe für den Einsturz zahlreicher Schulen gefordert hatte.

twi/afp



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.