Christiansen-Nachfolge Intendant Pleitgen bevorzugt harte Fairness

Hart, aber bislang fair geht es im Rennen um die Nachfolge von Talkerin Sabine Christiansen zu. WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat einen klaren Favoriten. Und der zwei beliebte Konkurrentinnen.


Berlin - Nach wochenlangen Spekulationen um die Nachfolge von ARD-Polittalkerin Sabine Christiansen steht nun die Entscheidung an. Spätestens am Dienstag wollen sich die Intendanten der neun Landesrundfunkanstalten einig sein, wer künftig den wichtigen Sendeplatz am Sonntagabend besetzt. Nach der überraschenden Absage von RTL-Moderator Günther Jauch, der vom Sender als großer Coup angekündigt worden war, läuft nun alles auf eine interne Lösung hinaus: "Tagesthemen"-Moderatorin Anne Will (40), "Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg (49) und "Menschen bei Maischberger"-Moderatorin Sandra Maischberger (40) sind dem Vernehmen nach im Rennen um das neue Gesprächsformat.


Nach monatelangen Diskussionen hatte Jauch, der eigentlich im September mit der neuen Sendung starten sollte, Anfang Januar seine geplante Zusammenarbeit mit der ARD als Nachfolger von Christiansen abgesagt. Als Gründe nannte er zusätzliche Auflagen aus Reihen der ARD sowie die Forderung, die Sendung den Chefredakteuren zu unterstellen und nicht wie bisher der Unterhaltungsabteilung. "Warum bei Christiansen nicht, warum bei mir? Wollten die bei mir Leitplanken einziehen? Das wollte ich nicht, und das war der entscheidende Grund für meine Absage", hatte der Moderator in einem Interview betont.

Wie es heißt, fällt die Entscheidung nun wohl zwischen Will, die sich bislang bedeckt hielt, und Plasberg, der sich gleich nach der Jauch-Absage für den Job bereit erklärte. Dass Will bereits als Christiansen-Nachfolgerin feststeht, wie in einigen Medienberichten zu lesen, wird von den Sendern aber zurückgewiesen.

Der NDR, der für den Sendeplatz zuständig ist, unterstützt zwar Will. Offiziell heißt es aber lediglich: "Wir werden das nicht kommentieren und keine Stellungnahme abgeben", sagte Sendersprecher Martin Gartzke.

WDR-Intendant Fritz Pleitgen machte sich dagegen am Donnerstag erneut für seinen Favoriten Plasberg stark. Bei "Hart aber fair" zeige Plasberg Qualitäten, die ihn immer wieder als außergewöhnlichen Politik-Journalisten auswiesen, sagte er in Köln. Zugleich betonte er aber: "Alle drei sind hervorragende Journalisten, so dass wir auf jeden Fall eine gute Lösung finden werden." Zudem kündigte Pleitgen an, daraus "keine Prestige-Angelegenheit" machen zu wollen. Er gehe jedenfalls nicht "auf Krawall gebürstet" in die Sitzung der Intendanten.

Sollte Will zum Zuge kommen, müsste wiederum für die Nachrichtenmoderatorin ein Nachfolger gefunden werden. Genannt wird hier schon als mögliche Variante Gabi Bauer. Sie hatte die "Tagesthemen" als Nachfolgerin von Christiansen bereits von September 1997 im Wechsel mit Ulrich Wickert bis April 2001 moderiert. Ihre Nachfolgerin wurde Will.

Auch wird spekuliert, dass WDR-Mann Plasberg, der manchem für den Sonntagabend als zu konfrontativ gilt, stattdessen eine andere Sendung im Ersten bekommen könnte. Oder wird Maischberger, die gerade ihr erstes Kind erwartet, die "lachende Dritte"?

Bereits beschlossen wurde, dass die neue Sendung weiterhin am Sonntag um 21.45 Uhr laufen und eine Stunde lang sein wird. Das neue Format wird nun aber der Koordination Politik zugeordnet.

Am Montag wollen die Fernsehprogrammdirektoren in Frankfurt am Main nun über die drei Konzepte und Namen beraten. Der Vorsitzende der Fernsehprogrammdirektoren-Konferenz, ARD-Programmdirektor Günter Struve, hat dabei eine "Stichstimme". Danach soll eine Empfehlung an die Intendanten abgegeben werden, die noch am selben Tag dort ihre Tagung beginnen. Am Dienstag findet eine interne Intendanten-Sitzung statt.

In ihrer Sitzung erörterten die Intendanten "organisatorische, programmliche und rundfunkpolitische Fragen des Senderverbundes", heißt es in der Ankündigung. Für Dienstag, 14.30 Uhr, beraumte die ARD eine Pressekonferenz mit Struve, dem ARD-Vorsitzenden Fritz Raff und der ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann an.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in der kommenden Woche zu einer Entscheidung kommt. Nach dem Debakel mit Jauch, der sich im Ersten zunehmend von "Gremien voller Gremlins", "Profilneurotikern" und "Wichtigtuern" umzingelt sah, dürfte die ARD diesmal um Konsens bemüht sein.

Nathalie Wählisch, ddp



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