Frankfurter Techno-Institution Cocoon Club droht die Schließung

Einer der bekanntesten Techno-Clubs Deutschlands steht kurz vor dem Ende. Der Frankfurter Cocoon Club, einst mitbegründet vom DJ-Star Sven Väth, muss Ende November seinen Betrieb einstellen - falls sich kein Investor findet. Der Insolvenzverwalter macht sich wenig Hoffnung.
DJ Sven Väth (2012 in Dortmund): Mitbegründer des Cocoon Club

DJ Sven Väth (2012 in Dortmund): Mitbegründer des Cocoon Club

Foto: Thomas Frey/ picture alliance / dpa

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Nachricht ereilte die Mitarbeiter des Cocoon Clubs am gestrigen Tag. Insolvenzverwalter Frank Mößle hatte zu einer außerplanmäßigen Betriebsversammlung ins Fechenheimer Gebäude geladen. Es ging mal wieder um die Zukunft der angeschlagenen Discothek.

Der Cocoon Club, 2004 von DJ-Größe Sven Väth als Nachfolger des bundesweit bekannten, stilprägenden Clubs Omen mitgegründet, schrieb seit geraumer Zeit rote Zahlen. Vor allem die integrierten Restaurants Silk und Micro machten Verluste, trotz des Sternekochs Mario Lohninger. Väths Versuch, Feinschmecker und Raver unter ein Dach zu bringen, war gescheitert. Im Mai wurden die Speisesäle geschlossen, doch der Abwärtstrend war nicht mehr aufzuhalten. Am 13. September meldete die Clubführung Insolvenz an.

Jetzt zog der zuständige Verwalter Frank Mößle Bilanz. Mehr als einen Monat lang hatte er den Betrieb weiterlaufen lassen und neue Events wie die Reihe "Wonderland" durchgeführt. Techno-Meister Paul van Dyk wurde eingeladen, Sven Väth selbst legte vor fünf Tagen zu seinem 48. Geburtstag auf. Doch all diese Versuche seien erfolglos gewesen, erklärte Mößle.

"Ein langfristig tragfähiger Geschäftsbetrieb ist angesichts der Größe und Strukturen des Cocoon Clubs derzeit nicht realisierbar", sagte der Wirtschaftsprüfer. Zudem wurde dem Unternehmen der Mietvertrag gekündigt, "so dass die Geschäftsgrundlage für eine langfristige Fortführung nicht mehr gegeben ist".

Für die 81 Angestellten bedeutet das: Bis Ende November bleibt der Club geöffnet. So lange werden die Betriebskosten über die Insolvenzkasse beglichen. Danach droht die Schließung, sofern sich kein Investor findet. Doch Mößle machte den Mitarbeitern wenig Hoffnung. Bisher hätte kein Gesprächspartner glaubhaftes Interesse bekundet.

Einziger Trost für alle Techno-Fans: Das Musiklabel von Sven Väth bleibt auch bei einer möglichen Schließung der Nobel-Disco bestehen. Die Cocoon Recordings wurde seit Clubgründung unabhängig geführt und wird seine bekannten Compilations auch in Zukunft vertreiben.

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sbr
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