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27. April 2017, 16:20 Uhr

Rechtsstreit

Islamgemeinde verliert gegen Constantin Schreiber

Der deutsche Journalist Constantin Schreiber äußert sich kritisch über Predigten, die in deutschen Moscheen gehalten werden. Eine Islamgemeinde hat dagegen prozessiert - ohne Erfolg.

Der Journalist und "Tagesschau"-Moderator Constantin Schreiber darf weiter behaupten, eine Predigt in der Dar-Assalam-Moschee in Berlin rufe die Gläubigen dazu auf, sich vom Leben in Deutschland abzugrenzen. Die Gemeinde war gegen diese Aussage, die in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" fiel, vor das Berliner Landgericht gezogen. Sie wollte eine Gegendarstellung erzwingen, weil die Aufforderung in der Predigt nicht konkret gefallen sei.

Das Gericht wies den Antrag jedoch ab. Es stellt fest, die Äußerung Schreibers sei klar als Werturteil, also Meinungsäußerung zu erkennen, sodass eine Gegendarstellung ausscheide. "Dem Leser erschließt sich, dass die Aussage des zitierten Journalisten auf dessen Meinung beruht, wonach die Predigt nach seinem Verständnis ihrem Inhalt nach geeignet gewesen sei (...), die Gläubigen zur Abgrenzung aufzurufen", schreibt das Gericht in seiner Begründung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Das gelte auch, wenn die Gläubigen nicht wörtlich dazu aufgerufen worden seien, sich abzugrenzen. Konkret war es um Stellen in der Predigt gegangen, die dazu gemahnt hatten, das unbedeutende, vergängliche Diesseits im Vergleich zum ewigen Jenseits nicht zu überschätzen. Die Gemeinde der Dar-Assalam-Moschee kann gegen die Entscheidung Beschwerde beim Kammergericht Berlin einreichen.

Constantin Schreiber war ein Jahr lang in 13 deutschen Moscheen zum Freitagsgebet gegangen und hatte mit Imamen und Gläubigen gesprochen. Seine Erfahrungen verarbeitete er in dem ARD-Dreiteiler "Der Moscheereport", dessen letzte Episode am 22. Mai ausgestrahlt wird. Auch sein Buch "Inside Islam" beschäftigt sich mit Schreibers Moschee-Erfahrungen.

Kritiker werfen dem Journalisten vor, ein negatives Bild vom Islam zu zeichnen. Er habe sich einseitig auf radikale Prediger fokussiert und Moscheen besucht, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Die ARD dagegen bezeichnet Schreiber als "Brückenbauer mit kritischem Blick". Er spricht Arabisch und arbeitete im Libanon und Dubai. 2016 wurde Schreiber für seine Sendereihe "Marhaba - Ankommen in Deutschland" mit dem Grimmepreis ausgezeichnet. In der auf n-tv ausgestrahlten Sendung brachte er Flüchtlingen Deutschland nahe.

Seit Januar 2017 ist Constantin Schreiber "Tagesschau"-Moderator, seit März moderiert er im Wechsel mit Anja Reschke auch das NDR-Medienmagazin "Zapp".

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