Contergan-Skandal Grünenthal klagt in Karlsruhe

Das juristische Tauziehen um den umstrittenen WDR- Zweiteiler über den Contergan-Skandal ist noch nicht beendet: Das Pharma-Unternehmen Grünenthal hat gegen die Urteile des Hamburger Oberlandesgerichts Verfassungsbeschwerden eingelegt.

Aachen - Neben den Verfassungsbeschwerden habe man außerdem Eilanträge auf Erlass einstweiliger Anordnungen gestellt, da der Film "Eine einzige Tablette" bald ausgestrahlt werden sollte, teilte Grünenthal mit. Das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) hatte im April vier Urteile gegen die Ausstrahlung des Films weitgehend aufgehoben. Im Mai hob das Landgericht dann die letzten einstweiligen Verfügungen von Grünenthal gegen den WDR und die Produktionsfirma Zeitsprung auf.

"Eine einzige Tablette" thematisiert die Affäre um das Schlafmittel Contergan, das Ende der fünfziger Jahre in mehreren tausend Fällen starke Missbildungen bei Neugeborenen auslöste. Der Zweiteiler entstand unter der Regie von Adolf Winkelmann und sollte ursprünglich bereits im Herbst 2006 ausgestrahlt werden.

Seit Monaten läuft um den Film zwischen beiden Parteien ein Rechtsstreit. Das Oberlandesgericht Hamburg habe sich in seinem Berufungsurteil auf falsche Annahmen gestützt, begründet Grünenthal den Schritt vor das Bundesverfassungsgericht. Der Film enthalte nach wie vor eine Vielzahl "schwer unwahrer Behauptungen".

Das OLG habe den Film freigegeben, sagte eine WDR-Sprecherin. Trotzdem sei er bisher nirgendwo gelaufen und werde auch in Zukunft zunächst nicht laufen. Der WDR wolle die laufenden Gerichtsverhandlungen dadurch nicht unterbrechen. Der geplante Sendetermin sei der 7. und 8. November.

Grünenthal und ein Anwalt, der sich in einer Person in dem Film wiedererkennt, hatten vor dem Hamburger Landgericht auf der Grundlage des Drehbuchs zuvor einstweilige Verfügungen gegen den Film erwirkt, die das OLG als höhere Instanz aber im April weitgehend aufhob. Nun werden die Klagen vor dem Landgericht in der Hauptsache verhandelt. Anders als im ersten Verfahren will das Landgericht dabei wie das OLG den Film als Grundlage für seine Entscheidung nutzen und nicht das Drehbuch.

hoc/dpa

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