Nachlassgericht München Gurlitts Cousine erhebt Anspruch auf Erbe

War Cornelius Gurlitt beim Verfassen seines Testaments zurechnungsfähig? Weil ein neues Gutachten dies infrage stellt, leitet eine Cousine des verstorbenen Kunstsammlers jetzt juristische Schritte ein.
Grab von Hildebrand Gurlitt: Neuer Streit um den Kunstschatz

Grab von Hildebrand Gurlitt: Neuer Streit um den Kunstschatz

Foto: Martin Gerten/ dpa

München - Die Cousine von Cornelius Gurlitt, Uta Werner, hat beim Nachlassgericht München einen Erbschein für das Erbe des Münchner Kunstsammlers beantragt. Unterstützt wird sie dabei von ihren Kindern sowie von Nachkommen des Gurlitt-Cousins Dietrich.

Die Angehörigen haben sich zu diesem Schritt entschlossen, weil der Jurist und Psychiater Helmut Hausner in einem Gutachten zu dem Schluss gekommen war, Gurlitt habe beim Verfassen seines Testaments an "paranoiden Wahnideen" gelitten, und damit dessen Testierfähigkeit in Frage stellte. Sollte dies der Fall sein, besteht juristisch die Möglichkeit, die Testamentsverfügung rückgängig zu machen - auch noch Jahrzehnte nach dem Tod des Erblassers.

"Dies ist für alle Beteiligten langfristig mit einem Unsicherheitsfaktor verbunden, der weder der Sache dient noch der Würde angemessen ist, die mit dem Umgang mit einem solchen Erbe verbunden sein sollte", heißt es in einem Schreiben der Familienmitglieder.

Nachdem ein Antrag auf den Erbschein gestellt ist, muss das Gericht bei begründeten Zweifeln die Gültigkeit des Testaments überprüfen. Die Angehörigen wollen damit Rechtssicherheit erlangen.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur dpa berichtet, das Kunstmuseum Bern wolle das umstrittene Erbe Gurlitts akzeptieren. Das Museum selbst hatte der Meldung widersprochen: Eine Entscheidung stehe noch aus, hieß es in einer Mitteilung.

Am kommenden Montag ist in Berlin eine gemeinsame Pressekonferenz von Bund, bayerischem Freistaat und dem Museum anberaumt worden - dabei sollte die Entscheidung über das Gurlitt-Erbe offiziell verkündet werden. Die Sammlung des im Mai verstorbenen Kunstsammlers umfasst Hunderte Werke, bei denen nicht auszuschließen ist, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt.

Gurlitt, dessen Vater einer von Adolf Hitlers Kunsthändlern war, hatte sein komplettes Vermögen inklusive der millionenschweren Sammlung testamentarisch dem Kunstmuseum Bern vermacht. Das Museum hatte sich mit der Entscheidung viel Zeit gelassen und die gesetzliche Frist zur Annahme des Erbes nahezu völlig ausgeschöpft.

kha/dpa
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