Kunstschatz in Salzburger Haus
Gurlitt-Sammlung noch größer als gedacht
Der umstrittene Schatz des Cornelius Gurlitt ist offenbar noch umfangreicher als bisher angenommen. Ein Sprecher des Kunsthändlersohns gab an, in Gurlitts Salzburger Haus hätten mehr als 60 Werke gelagert - unter anderem von Picasso.
Eingang von Cornelius Gurlitts Salzburger Haus: Hier lagerten über 60 Kunstwerke
Foto: DOMINIC EBENBICHLER/ REUTERS
Salzburg/Hamburg - Es geht um Bilder von Monet, Renoir und Picasso: Die kostbare Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt ist noch größer als bislang angenommen. Auch in seinem Haus in Salzburg befanden sich nach Angaben von Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger mehr als 60 wertvolle Kunstwerke.
Holzinger teilte mit, die Bilder seien am Montag in Salzburg gesichtet und gesichert worden. "Im Auftrag von Cornelius Gurlitt werden diese Exponate von Experten auch hinsichtlich eines etwaigen Raubkunstverdachts geprüft", teilte der Sprecher weiter mit. "Nach vorläufiger Einschätzung auf Basis einer ersten Sichtung hat sich ein solcher Verdacht nicht erhärtet." Die Augsburger Staatsanwaltschaft wollte die Mitteilung Holzingers der Nachrichtenagentur dpa zufolge nicht kommentieren. "Das haben wir mit Interesse zur Kenntnis genommen, kommentieren es aber nicht weiter."
Gurlitt steht seit Ende 2013 unter Betreuung. Sein Betreuer, der Rechtsanwalt Christoph Edel, hatte die Sicherstellung der Salzburger Werke veranlasst, um sie vor Einbruch und Diebstahl zu schützen.
In Cornelius Gurlitts Münchner Wohnung war ein spektakulärer Kunstschatz gefunden worden, der im vergangenen Jahr die Kunstwelt in Atem hielt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg stellte mehr als tausend Kunstwerke in der Wohnung sicher. Knapp 600 davon stehen im Verdacht, Raubkunst aus der Nazizeit zu sein. Nach Ansicht Gurlitts und seiner Anwälte wurden die Bilder zu Unrecht beschlagnahmt.
Die Staatsanwaltschaft leitet die Ermittlungen gegen Gurlitt unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Um die Herkunft der Bilder kümmert sich eine eigens eingerichtete Taskforce "Schwabinger Kunstfund".
Beide - sowohl Staatsanwaltschaft als auch Taskforce - stehen inzwischen mit Gurlitt in Kontakt. Der leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz bekräftigte in der vergangenen Woche: "Ganz klar ist: Es wird keinen Deal, Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Rückgabe der Bilder oder Ähnliches geben." Generell gelte aber: "Wenn ein Beschuldigter zur Sachaufklärung beiträgt und einen etwaigen Schaden wiedergutmacht, dann ist das zu berücksichtigen."
Auf der anderen Seite haben Gurlitts Anwälte inzwischen Anzeige gegen Unbekannt gestellt, weil Interna aus den Ermittlungsakten an die Presse gelangten.