Milliarden-Kunstschatz Reporter spüren Cornelius Gurlitt in München auf

Die Nachricht vom Milliarden-Kunstschatz in seiner Münchener Wohnung ging um die Welt, doch von Cornelius Gurlitt fehlte bislang jede Spur. Nun machten ihn Reporter von "Paris Match" ausfindig. An den SPIEGEL wendete sich der 79-Jährige per Brief.
Gurlitt-Wohnung in München-Schwabing: "Beifall von falscher Seite ist das Schlimmste"

Gurlitt-Wohnung in München-Schwabing: "Beifall von falscher Seite ist das Schlimmste"

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Er galt als verschollen, nun haben ihn Reporter der französischen Illustrierten "Paris Match" überraschend in München aufgespürt: Cornelius Gurlitt, den Mann, der in seiner Wohnung über 1400 Meisterwerke von Künstlerin wie Picasso, Chagall, Otto Dix und Matisse aufbewahrte.

Doch offenbar verschanzt sich der Kunstsammler weiterhin in seiner alten Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing. Zwei Journalisten der "Paris Match" berichten, sie hätten Gurlitt am Freitagnachmittag in einem Einkaufszentrum in seinem alten Münchner Stadtteil Schwabing gestellt. Der 79-jährige, elegant gekleidete Mann habe gerade seine Einkäufe gemacht.

Auf Nachfrage erklären die Reporter SPIEGEL ONLINE: Sie hätten Gurlitt als erstes beim Verlassen seiner Wohnung in Schwabing angetroffen - derselben Wohnung im fünften Stock eines Wohnhauses, in der er auch seine Kunstwerke aufbewahrt hatte. Dort steht auch immer noch Gurlitts Name an der Klingel, aber der Vielgesuchte hatte in den vergangenen Tagen auf das Klingeln von Journalisten nicht reagiert.

Als die Reporter ihn ansprachen, habe der Mann ihre Bitte um ein Interview jedoch mit ziemlich rätselhaften Worten abgewiesen: "Beifall von der falschen Seite ist das Schlimmste, was es gibt." Seine Stimme habe gezittert, seine blauen Augen seien wut- und angsterfüllt gewesen. Der Bericht wird begleitet von einem Foto , das einen weißhaarigen alten Mann in einem dunklen Mantel und karierten Schal zeigt.

In seiner neuen Ausgabe druckt der SPIEGEL einen Brief Gurlitts an die Redaktion. In dem Schreiben bittet er das Magazin, den Namen Gurlitt "nicht mehr in Ihrem Blatt erscheinen zu lassen", offenbar geht es ihm darum, dass sein Vater, der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, nicht in Zusammenhang mit dem Nazi-Regime gebracht wird.

Seitens der zuständigen Augsburger Staatsanwaltschaft hatte es bislang geheißen: Man wisse nicht, ob Gurlitt überhaupt noch lebt.

Die von den Nazis als entartet beschlagnahmten Bilder darf Gurlitt wohl behalten. Das geht aus einer Einschätzung des Zollkriminalamts (ZKA) für das Bundesfinanzministerium hervor, aus der der "Focus" und die "Bild am Sonntag" zitierten. Die 315 Kunstwerke stammten "ausschließlich aus staatlichen und städtischen Museen bzw. Landesmuseen", hieß es. Deshalb dürften "Rückgabe/Restitutionsansprüche der ehemaligen Eigentümer nicht durchsetzbar sein". Es sei auch zweifelhaft, dass Gurlitt wegen hinterzogener Einfuhrumsatzsteuer angeklagt werde.

mvr/ssu/pad/dpa
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