Angeschlagene Gesundheit Kunstsammler Gurlitt unter vorläufiger Betreuung
Namensschild von Cornelius Gurlitt: Sorge um den herzkranken Kunstsammler
Foto: ? Dominic Ebenbichler / Reuters/ REUTERSMünchen - Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Deshalb ist er nun vorläufig unter Betreuung gestellt worden. Der 80-Jährige halte sich in einem Klinikum in Deutschland auf, teilte der Präsident des Amtsgerichts München, Gerhard Zierl, am Montagabend mit. Die dortigen Ärzte hätten den Antrag gestellt, ein Betreuungsverfahren aus gesundheitlichen Gründen einzuleiten, sagte Zierl.
Es sei ein erfahrener Betreuer bestellt worden. Zierl betonte, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele. Die endgültige Entscheidung stehe noch aus. Gutachten seien bereits in Auftrag gegeben.
In der Wohnung Gurlitts im Münchner Stadtteil Schwabing hatten die Behörden im Frühjahr 2012 mehr als 1000 Kunstwerke beschlagnahmt, darunter viele Werke der klassischen Moderne. Erst in diesem Herbst war der spektakuläre Fund publik geworden.
Gegen Gurlitt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Augsburg wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung. Zunächst spielt die vorläufige Betreuung hier aber keine Rolle.
Polizei ließ Wohnung aufbrechen
Fast 600 Bilder stehen im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Rund 300 Bilder, bei denen es keinen solchen Verdacht gibt, sollte er zurückbekommen. Diese sollen Mitglieder seiner Familie gemalt haben, oder sie waren erst nach 1945 entstanden - und gehören Gurlitt damit zweifelsfrei. Aber auch die Behörden hatten offenbar zumindest zeitweise Schwierigkeiten gehabt, an den zurückgezogen lebenden Mann heranzukommen.
Was die Bilder und mögliche Rückgaben angehe, dazu könne er nichts sagen, sagte Zierl. "Das geht weit über das hinaus, was für uns im Moment anliegt."
Gurlitt ist herzkrank. Erst vor zehn Tagen hatten Polizeibeamte seine Wohnungstür aufbrechen lassen, weil sich ein Verwandter Sorgen um den alten Mann gemacht hatte. Gurlitt hatte auf Türklingeln mehrfach nicht reagiert. Ursache dafür waren jedoch nicht gesundheitliche Probleme: Er hatte mit Ohrstöpseln auf seinem Bett gelegen.