CSU-Debatte bei Christiansen Sabines lustiger Intrigantenstadl

Es war eine der sinnlichsten Sonntagsdiskussionen, die die ARD jemals geboten hat: Sabine Christiansen wollte mal klären, wie schmutzig die Politik ist - am Beispiel der Demontage von Edmund Stoiber. Vor allem FC-Bayern-Manager Hoeneß und CSU-Generalsekretär Söder redeten sich in Rage.

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München – Uli Hoeneß ist der Manager der Ballsportler vom FC Bayern München. Außerdem hat er eine Wurstfabrik. An diesem Sonntagabend sitzt er bei Sabine Christiansen in der Show. Nicht wegen des Fußballs. Und auch nicht wegen der Wurst.

Nein, Uli Hoeneß ist heute als treuer, ach was: treuester Anhänger der Christlich Sozialen Union Bayerns gekommen. Ihm gegenüber sitzt der Generalsekretär dieses Vereins. Den stellt Uli Hoeneß in Sachen Überzeugung aber locker in die Ecke. "Das glauben Sie doch selber nicht", ruft er dem CSU-Manager Markus Söder in bekannt gequetscht-quietschender Tonlage zu. Söder hatte sich zuvor erdreistet, im Generalsekretär-Sprech die letzten Tage des Edmund Stoiber inklusive Rückzug ins Positive gewendet Revue passieren zu lassen: "Entscheidung getroffen", "mutig", "souverän", "Partei geschlossen führen". So was hatte Söder gesagt.

Aber Uli Hoeneß ist einfach nur sauer, dass man "einen Mann wie Stoiber" einfach so "gekillt" habe. So ein Unsinn. Denkt sich der Uli. "Die CSU braucht doch den ganzen Schmarrn nicht, was Ihr da die ganze Zeit macht." Sagt der Uli. Und dem Markus Söder rutscht der Unterkiefer vor und die Augenbrauen rutschen runter. Mein Gott, man müsse doch einfach nur "sauber" vorgehen in Bayern, "es will ja kein Mensch die SPD bei uns, oder die Grünen oder die FDP". Das weiß der Uli.

"Wo waren Sie denn in den letzten 14 Tagen", fragt Manager Hoeneß den Manager Söder. Viel gehört habe man ja nicht vom CSU-General während Stoibers Niedergang. Das glaubt auch Claus Strunz, Chefredakteur der "Bild am Sonntag" (BamS): "Sie haben sich nicht für Ihren Chef in die Bresche geworfen", greift er Söder an. Er habe noch nie einen solchen Intrigantenstadl erlebt. Warum trete der Generalsekretär denn eigentlich nicht mit dem Chef ab?

Jetzt reicht es Markus Söder. Unterkiefer und Augenbrauen haben sich bedrohlich weit einander angenähert: "Jetzt ärgert's mich, jetzt ärgert's mich", sagt er. Strunz grinst. Söder: "Ich finde das nicht fair, mir so was vorzuwerfen, ich hab' mich mein ganzes Leben für Edmund Stoiber eingesetzt." Er lasse sich nicht vorwerfen, dass er nicht für Stoiber gekämpft habe, sagt Söder – und wird noch mal sehr existenziell: "Ich bleib' mein Leben lang Stoiberianer."

Herrlich. Es ist Sonntagabend, im ersten deutschen Fernsehen geht's richtig zur Sache. Und Sabine Christiansen stört heute in ihrer Sendung auch überhaupt nicht. Bis auf den themenspezifischen Trachtenjanker kann man ihr wirklich nichts vorwerfen.

Die Sendung heißt: "CSU und Co – Intrigantenstadl Politik?" Söder, Hoeneß und Strunz könnten die Sendung schon ganz allein schaukeln, soviel Potential für Provokation, Attacke und Konter bringen sie mit. Aber dank der aufmerksamen Redaktion von Frau Christiansen sind auch noch Claudia Roth, Helmut Dietl und Hiltrud Hensen dabei.

Hensen? Hillu! Die Ex von Altkanzler Schröder. Als es um Horst Seehofer als Aspiranten auf den CSU-Vorsitz und seine in "Bild" beschriebene, angebliche Liebesaffäre geht, erinnert sie an den guten Investigativ-Journalismus von früher. Inzwischen sei da "doch so einiges verkommen".

"BamS"-Chef Strunz verortet die Seehofer-Kiste auch irgendwie "an einer Grenzlinie", aber richtig findet er die Veröffentlichung natürlich trotzdem. Tiefer wird die Debatte dann auch nicht, Regisseur Dietl sagt noch: "Das war eine Sauerei, eine Sauerei" – dann geht's wieder zurück zu Stoiber.

Die grüne Empörungsröhre und Vorsitzende Claudia Roth arbeitet mit vielen kurzen "ach, ach", mit Verneinungsfeuer im Stile von "Nee, nee, nee, nee" sowie diversen gedehnten "oooch", um die schwarze, aber zerstrittene Hoeneß-Söder-Fraktion in die Bredouille zu bringen. Doch vergebens. Hoeneß: "Ich sehe überhaupt keine Gefahr, dass die CSU unter 50 Prozent rutscht, da haben Sie keine Chance, Frau Roth." Na dann.

Da hakt noch Helmut Dietl ein: "Wir haben in Bayern quasi-monarchistische Strukturen." Der Ministerpräsident sei nicht einfach der Ministerpräsident, "das ist der Fürst!", ruft Dietl. Und alles, was man gegen Fürsten sage und tue, ja, das sei "Königsmord, das darf man nicht vergessen". Stoibers königlichen Abgang findet Dietl aber dann doch gar nicht so außergewöhnlich: Ihn ärgere "diese Heuchelei, die hier stattfindet, als sei so was nur in der CSU möglich". Klar, dort sei es "unterhaltsamer, es hat mehr Sinnlichkeit, weil da weniger protestantisch sind."

Es ist tatsächlich eine der sinnlichsten Sonntagsdiskussion, die die ARD jemals geboten hat. Nur Markus Söder kann sich nicht so richtig amüsieren. Erstens ist er Protestant und zweitens wird er ja dauernd unterbrochen: "Ich weiß, dass das hier ein kleines Tribunal gegen mich ist, immer wenn ich was sage, dann flippen hier alle aus." Da macht Claudi Roth: "Oooch."

Und Uli Hoeneß? Ach, der kann das alles nicht verstehen. Beim FC Bayern, da ist es so logisch, so klar strukturiert. Da würden auch mal "die Wände wackeln", sagt Hoeneß. Aber "wenn wir beim FC Bayern aus der Tür kommen und einen Entschluss gefasst haben, dann ziehen wir das gna-den-los durch". Markus Söder winkt ab: Bei den Bayern sei "auch nicht alles so toll, wie der Herr Hoeneß hier meint".

Na gut.

Und die Lösung des CSU-Stoiber-Problems? Sabine Christiansen hilft uns weiter: "Wir überlassen das einfach mal den Wählern und haken das jetzt mal ab."

Danke.



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