DDR Stasi erstellte Liste von Westjournalisten mit NS-Vergangenheit

Die Stasi soll Ende der siebziger Jahre Hunderte Westjournalisten auf eine mögliche NS-Vergangenheit untersucht haben. Unter dem Vorgang "Schwarz II" wurde daraufhin eine Liste dieser Medienvertreter erstellt.


Berlin - Die Überprüfung von rund 700 Journalisten in überlieferten NS-Archiven habe bei etwa einem Fünftel eine NS-Belastung ergeben, berichtet die "Berliner Zeitung" über den Vorgang "Schwarz II". 60 von ihnen waren aus Stasi-Sicht so eng mit dem Nazi-Regime verquickt gewesen, dass diese Fälle "für eine politisch-operative bzw. Öffentlichkeitsarbeit im Operationsgebiet geeignet sein könnten", wie es in einer Liste mit den Namen der betreffenden Journalisten heißt.

Unter den stärker belasteten Medienvertretern fanden sich einstige SS- und SA-Angehörige sowie hochrangige Mitarbeiter von NS-Presse- und Propagandadienststellen. So war ein Redakteur der "Stuttgarter Zeitung" in der Nazi-Zeit Obersturmführer beim SD, ein SFB-Sportreporter gehörte lange Jahre dem Presseamt der Reichsjugendführung an, ein Korrespondent des Deutschlandfunks war früher als SS-Obersturmführer Abteilungsleiter für Presse und Schrifttum beim SD und ein ehemaliger Chefredakteur von "Schöner Wohnen" SS-Unterscharführer.

Wie die "Berliner Zeitung" schreibt, blieben die Stasi-Erkenntnisse für die enttarnten NS-Journalisten jedoch folgenlos. Zwar zeigte sich die für die Westpresse zuständige Abteilung X der Stasi-Auslandsspionageeinheit HVA "interessiert" an den Informationen über die Journalisten. Verwendet wurden sie aber nicht, wie aus einem MfS-Vermerk vom 8. November 1979 hervorgeht: Demnach habe die HVA mitgeteilt, "dass nicht alle Personen in unserem politischen Blickpunkt mehr stehen würden und möglicherweise keine operativen Maßnahmen zur Anwendung kämen".

als/ddp



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