Debatte über Talkshow Kulturstaatsminister attackiert "Anne Will"

Die Kritik an "Anne Will" hört nicht auf: Kulturstaatsminister Neumann (CDU) hat die Polit-Talkshow wegen mangelnder journalistischer Qualität gerügt. Jetzt soll sich der NDR-Rundfunkrat mit dem umstrittenen Talk-Format befassen.


Berlin/Hamburg - Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat "Anne Will" attackiert und ist damit seinem Berliner CDU-Kollegen Friedbert Pflüger zur Seite gesprungen. "Ich würde mir im Interesse der Zuschauer wirklich wünschen, dass in einer so bekannten und renommierten Sendung die Fakten als Informationsgrundlage der Talkshow stimmen", sagte Neumann der "Bild"-Zeitung.

Moderatorin Will: Von CDU-Politikern attackiert
AP

Moderatorin Will: Von CDU-Politikern attackiert

Das Blatt berichtete weiter, dass sich nun auch der NDR-Rundfunkrat mit der Sendung befassen werde. "Natürlich wird sich der Rundfunkrat mit Anne Will beschäftigen", zitierte "Bild" Volker Müller, der als Vertreter der niedersächsischen Unternehmerverbände im Vorsitz des Gremiums sitzt. "Schon in der nächsten Sitzung" soll das Thema "Anne Will" laut Müller auf der Agenda stehen.

Bisher hatten ARD und NDR die Talkshow verteidigt und die Vorwürfe, die Sendung sei einseitig und schlecht recherchiert, entschieden zurückgewiesen. "Wir haben noch keine Sekunde an der Kompetenz von Anne Will und der inhaltlichen Ausrichtung ihrer Sendung gezweifelt", stellte ARD-Programmdirektor Günter Struve am Dienstag klar. Friedbert Pflügers Forderung, die Talkshow wegen handwerklicher Mängel abzusetzen, sei "absurd".

Auch NDR TV-Chefredakteur Andreas Cichowicz sagte SPIEGEL ONLINE, dass eine Absetzung der Show "in der ARD kein Thema" sei. Ganz im Gegenteil: Laut Cichowicz ist die nicht abreißende Schelte Beweis für den Erfolg von "Anne Will": "Wer oben steht, steht immer auch besonders in der Kritik."

Ausgelöst wurde der Streit durch die letzte Sendung "Alles auf Rot - warum nicht mit den Linken?". Ein Einspielfilm hatte die rot-rote Koalition in Berlin für ihre Wirtschaftspolitik gelobt, und die 2001 erfolgte Ablösung der CDU-geführten Großen Koalition durch Klaus Wowereits Regierung so beschrieben: "Kurz darauf kommt die rot-rote Koalition, erbt 60 Milliarden Euro Schulden - und führte Berlin auf die Erfolgsspur."

Tatsächlich, so monierte Friedbert Pflüger, beliefen sich die Schulden der Hauptstadt aber nur auf rund 38 Milliarden Euro. Anlass für den CDU-Politiker, die Sendung in der "Bild"-Zeitung für "bewusste Verzerrung von Sacherverhalten" anzuprangern und ihre Absetzung zu fordern.

Die "Anne Will"-Redaktion hielt dagegen, sie habe nicht behauptet, der Schuldenstand im Jahr 2001 sei rund 60 Milliarden Euro gewesen. "Mit dem Wort 'erben' beziehen wir uns aber auf die gesamten finanziellen 'Altlasten' (als Folge beispielsweise der Bankenkrise), die die Vorgängerregierung dem neuen rot-roten Senat überließ."

pha



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