Springer-Strategie Journalismus im Schlussverkauf

Der Springer-Verlag verkauft ein riesiges Paket von Zeitungen und Zeitschriften an die Konkurrenz und entkernt sich damit selbst. Europas größtes Zeitungshaus glaubt offenbar nicht mehr daran, dass man mit Journalismus in Zukunft noch Geld verdienen kann. Ein verlegerischer Offenbarungseid.
Springer fehlt der Glaube, dass man mit Journalismus noch Geld verdienen kann

Springer fehlt der Glaube, dass man mit Journalismus noch Geld verdienen kann

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

In den Zeitungen des Springer-Konzerns steht im Impressum unter Verleger immer noch der Name: Axel Springer. Das ist einerseits eine Verneigung vor dem Erfinder der "Bild"-Zeitung und "Hörzu", der 1985 starb. Andererseits ist es auch bittere Wahrheit: Das Haus Springer hat keinen Verleger mehr.

Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner ist es jedenfalls nicht. Sein Ehrgeiz ist in erster Linie kein publizistischer, kein journalistischer mehr. Ausgerechnet der ehemalige Feuilletonredakteur besorgt bei Springer den Abschied vom Journalismus. Er ist dabei getrieben von zwei Dingen: der Vision, im digitalen Geschäft ganz vorne dabei sein zu wollen, und der Angst, mit Journalismus kein Geld mehr verdienen zu können.

Bis gestern schien die Strategie des Hauses Springer noch zu sein, das digitale Geschäft mit dem Journalismus zu versöhnen. Irgendwie Brücken zu schlagen vom Geschäftsmodell des gedruckten Journalismus - egal ob man den in der spezifischen springerschen Ausprägung mag oder nicht - zu dem eines digitalen Journalismus. Jahrelang wurde da von "Welt" bis "Hamburger Abendblatt" experimentiert - und als der Verlag jüngst seinen Einstieg in ein Bezahlmodell für bild.de verkündete, geschah das mit der Geste eines Heilsbringers für die ganze Branche.

Dem Hause Springer fehlt die Vision

Seit heute ist das alles anders. Seit heute ist klar: Der Chef von Europas größtem Zeitungshaus glaubt nicht mehr an das eigene Produkt. Glaubt nicht mehr an eine Zukunft für die meisten seiner Redaktionen, glaubt nicht mehr daran, dass Journalismus auf lange Sicht noch profitabel sein kann.

Wie groß die Angst sein muss im Hause Springer, in ein paar Jahren auf einem unverkäuflichen Haufen Altpapier zu sitzen, beweist der heutige Schlussverkauf. Döpfner veräußert ein ganzes Paket von Zeitungen und Zeitschriften, darunter Axel Springers erstes Blatt, die "Hörzu", und seine erste Tageszeitung, das "Hamburger Abendblatt". Er reißt dem Verlag, der keiner mehr sein will, die Wurzeln raus.

Zusammengehalten wird das Haus im Inland bloß noch von den satten Gewinnen der "Bild"-Zeitung. Ein neues Fundament hat Döpfner nicht zu bieten. Bloß das vage Versprechen auf bessere Zeiten in einer nebulösen digitalen Zukunft.

Als Axel Springer sich die "Bild"-Zeitung ausdachte, setzte er sich mit Schere und Papier hin und klebte sich seine Vision von Boulevardjournalismus selbst zusammen. Mit anderen Worten: Er hatte eine Idee. Das war es, was ihn groß und reich gemacht hat. Und das ist es, was dem Hause Springer heute fehlt.

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