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05. April 2017, 15:18 Uhr

Inhaftierter Türkei-Korrespondent

Deniz Yücel bekommt Theodor-Wolff-Preis

Seit mehr als 50 Tagen sitzt er in der Türkei in Haft. Jetzt wurde dem Journalisten Deniz Yücel der renommierteste Preis zugesprochen, den die deutsche Zeitungsbranche zu vergeben hat.

Der Theodor-Wolff-Preis, der Journalistenpreis der deutschen Zeitungen, wird erst am 2. Juni vergeben. Schon jetzt wurde bekannt, dass Jury und Kuratorium einstimmig beschlossen haben, den Türkei-Korrespondenten der "Welt", Deniz Yücel, mit einem Sonderpreis auszuzeichnen.

Gleichzeitig fordern die Gremien auf der Homepage des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) die Freilassung des Journalisten. Mit dem Sonderpreis für den Autor solle im Geist von Theodor Wolff ein Zeichen für die Pressefreiheit gesetzt werden, die in der Türkei und an vielen anderen Orten der Welt mit Füßen getreten werde.

Deniz Yücel sitzt seit sechs Wochen in Istanbul im Gefängnis. Ihm werden Terrorismus im Namen verschiedener Organisationen und Spionage für Deutschland vorgeworfen. Erst am Dienstagvormittag konnten ihn Vertreter des deutschen Konsulats erstmals sprechen. Allerdings handelte es sich dabei um eine einmalige Erlaubnis.

Yücel wird in Isolationshaft gehalten, er darf keine Post erhalten und keine Briefe schreiben.

Der Theodor-Wolff-Preis erinnert an den Chefredakteur des "Berliner Tageblatts", Theodor Wolff (1868 - 1943). Er musste 1933 vor den Nazis ins französische Exil fliehen, wurde dort verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert und starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

kae/dpa

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