Reporterin der "Lausitzer Rundschau" ausgezeichnet Mutige Recherche unter ostdeutschen Neonazis

Jahrelang recherchierte Simone Wendler zur rechtsextremen Szene in der Lausitz - fast direkt vor ihrer Haustür. Dafür ist die Chefreporterin der "Lausitzer Rundschau" jetzt mit dem Journalistenpreis "Der lange Atem" ausgezeichnet worden.

Simone Wendler von der "Lausitzer Rundschau": "Sehr mutig"
Sabine Gudath

Simone Wendler von der "Lausitzer Rundschau": "Sehr mutig"


Berlin - "Gerade in einer ländlichen Region wie der Lausitz, wo jeder jeden kennt, ist das Engagement der Autorin sehr mutig": Für ihre Recherchen im rechtsextremen Milieu ist Simone Wendler, Chefreporterin der "Lausitzer Rundschau", mit dem Journalistenpreis "Der lange Atem" ausgezeichnet worden. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) würdigt damit langjährige Recherchen zu gesellschaftlich relevanten Themen. In den Texten von Wendler werde das Netzwerk sichtbar, in dem Rechtsradikale handelten, sagte Laudatorin Dagmar Engel zu der Jury-Entscheidung weiter.

Wendler wurde 1955 in Cottbus geboren und studierte nach dem Abitur zunächst Chemie. 1990 wechselte sie dann in den Journalismus, arbeitete mehrere Jahre als Freie, bis sie 2002 Chefreporterin der "Lausitzer Rundschau" wurde. In ihrer Heimatstadt recherchierte sie unter anderem zu alten Stasi-Seilschaften und wurde bedroht. Einschüchtern ließ sie sich aber offenbar nicht. Für ihre Recherchen zu einer Cottbuser Baukorruptionsgeschichte bekam sie bereits den Wächterpreis und den Leipziger Medienpreis.

Die Berichterstattung ihrer Zeitung über das braune Milieu sorgte ebenfalls für Aufsehen. Neonazis griffen im vergangenen Jahr die Lokalredaktion im brandenburgischen Spremberg an, beschmierten die Fenster und hinterließen Tier-Innereien. René Wappler, ein Kollege Wendlers, der für die "Lausitzer Rundschau" über Rechtsextreme schrieb, wurde für Verdienste um die Pressefreiheit in diesem Jahr mit dem renommierten Henri-Nannen-Preis geehrt.

"Der lange Atem", der am Dienstagabend zum siebten Mal vom Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) in der Hauptstadt verliehen wurde, ist mit 3000 Euro dotiert. Den zweiten Preis vergab die achtköpfige Jury an den freien Journalisten Mario Kaiser für seine Langzeitreportagen zu Sozialstaat und Prekariat. Mit dem dritten Preis wurde Katrin Rothe für ihren Film "Betongold" (RBB/Arte) geehrt, in der es um die Chronik der Entmietung ihrer eigenen Berliner Wohnung geht.

vks



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
p.donhauser, 30.10.2013
1. reporterin
meine hochachtung!machen sie weiter!
trashmen 31.10.2013
2.
Muss man ostdeutsche so betonen? Wir sind eine Nation. Also schreibt einfach Nazis. Als wenn es im westlichen Gegenden keine geben würde. Und natürlich Hochachtung vor dem Mut dieser Frau.
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