Raubkunst Deutsche Familie gibt wertvolle Bücher an Russland zurück

Tausende kostbarer Bücher raubten deutsche Truppen 1942 aus einem russischen Schloss. 125 davon tauchten in Deutschland wieder auf - und werden jetzt auf Wunsch der derzeitigen Besitzer nach Russland zurückgebracht.
Stephan Graf von der Schulenburg: "Das dürfen wir nicht behalten"

Stephan Graf von der Schulenburg: "Das dürfen wir nicht behalten"

Foto: Roland Holschneider/ dpa

Frankfurt/Leipzig - 70 Jahre lang standen die geraubten 125 historischen Bände in der Bibliothek einer Oberpfälzer Burg. Nun gibt die Familie von der Schulenburg, ein brandenburgisch-preußisches Adelsgeschlecht, sie an Russland zurück. Am 18. November wird Stephan Graf von der Schulenburg in Leipzig die wertvollen Bände an Alexej Gusanow übergeben, den Hauptkustos des Schlossmuseums Pawlowsk nahe St. Petersburg.

Der Festakt wird von der Kulturstiftung der Länder organisiert. Anlass ist die vierte Jahrestagung des deutsch-russischen Bibliotheksdialogs. Die Bücher würden dann von der russischen Botschaft weitertransportiert, sagte Britta Kaiser-Schuster von der Kulturstiftung der Länder. Darunter ist auch eine 30-bändige Lessing-Ausgabe von 1771, die meisten Bücher aber sind in französischer Sprache.

Ein Sonderkommando der Wehrmacht hatte 1942 die Bibliothek in Pawlowsk geplündert und Tausende Bücher entwendet. Sie wurden damals dem deutschen Botschafter in Moskau, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg (1875- 1944), übergeben.

Jahrzehntelang lang standen sie in der Bibliothek von Burg Falkenberg in der Oberpfalz, die Schulenburg wiederaufgebaut hatte. Die Bücher wurden mit der Burg weitervererbt. Durch Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" soll die Familie 2013 erfahren haben, woher die Bücher stammten.

"Das ist Raubkunst. Das dürfen wir nicht behalten. Es ist klar, dass diese Dinge unrechtmäßig in unseren Besitz gelangt sind", beschrieb Stephan Graf von der Schulenburg damals die Reaktion der Familie. Dass Raubgut aus Privatbesitz zurückgegeben wird, sei "eher ungewöhnlich und sehr zu begrüßen", sagte der Sprecher von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Hagen Philipp Wolf, der für "Kulturgüterrückführungsfragen" mit Russland zuständig ist.

ala/dpa
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