Auslandssender der Bundesrepublik Vorwürfe von sexueller Belästigung und Vergewaltigung bei der Deutschen Welle

Laut einem Medienbericht trennte sich die Deutsche Welle von einem Moderator, der zuvor der sexuellen Belästigung beschuldigt worden war. Ein Gutachten soll auf Strukturprobleme bei dem Sender verweisen.

Martin Müller/ imago images

Gegen einen Moderator der Deutschen Welle (DW) wurden offenbar Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung laut. Der aus Steuermitteln finanzierte Auslandssender der Bundesrepublik soll sich daraufhin von dem Mann getrennt haben. Das berichtet die "Zeit".

Wie es in dem Artikel weiter heißt, ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des "Anfangsverdachts einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung" gegen den ehemaligen DW-Mitarbeiter. Der Moderator sei in der arabischsprachigen Welt sehr prominent.

Zwei Frauen hätten schwere Anschuldigungen gegen ihn erhoben. Eine ehemalige freie Mitarbeiterin machte demnach die Aussage, 2016 von dem Mann vergewaltigt worden zu sein. Eine ägyptische Bloggerin gab an, im selben Jahr von ihm unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in seine Berliner Wohnung gelockt und dort belästigt worden zu sein. Laut "Zeit" bestreitet der Moderator alle Taten, er will juristisch gegen die Anschuldigungen vorgehen.

"An den Vorgaben des Hauses vorbei"

Der "Zeit"-Artikel legt nahe, dass es ein Sexismusproblem im Sender gibt, das nicht auf den Einzelfall beschränkt ist. Eine Gutachterin soll zu einem alarmierenden Ergebnis gekommen sein. Die Wochenzeitung zitiert aus den schriftlich formulierten Eindrücken der Gutachterin: "Jenseits der geschilderten Übergriffe/Belästigungen scheinen arbeitsrechtliche Vorgaben missachtet zu werden, und es scheint sich eine Art 'Parallelstruktur' entwickelt zu haben, die nach eigenen Regeln funktioniert, an den Vorgaben des Hauses vorbei."

Die DW reagierte auf den "Zeit"-Artikel mit einer öffentlichen Stellungnahme und verweist darauf, dass die Geschäftsleitung im Mai 2018 eine interne Aufklärungskampagne über das Vorgehen in Verdachtsfällen von Machtmissbrauch und Übergriffen jeder Art initiiert habe. Zum entlassenen Mitarbeiter gab der Sender keine Auskunft: "Die DW nimmt im Hinblick auf Einzelpersonen aus rechtlichen Gründen grundsätzlich keine Stellung."

Entgegen der Darstellung in der "Zeit" betont die DW, dass kein Gutachten über die Verdachtsfälle in Auftrag gegeben worden sei.

cbu

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