Deutsches Theater Punkten mit Thalheimer

Ein gelungener Coup im Konkurrenzkampf der Berliner Bühnen: Vier Top-Regisseure binden sich fest an das Deutsche Theater. Star-Regisseur Michael Thalheimer wird sogar Leitender Regisseur und soll bis zu fünf Stücke in zwei Jahren inszenieren.


Deutsches Theater in Berlin: Verstärkung duch vier Top-Regisseure
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Deutsches Theater in Berlin: Verstärkung duch vier Top-Regisseure

Berlin - "Faust" gegen "Faust" - so klappt die Theater-Zusammenarbeit über die Grenzen Berlins hinweg. Während Jan Bosses Inszenierung vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg bald in Berlin zu sehen sein wird, bringt Michael Thalheimer seine Inszenierung vom Deutschen Theater Berlin nach Hamburg. Von derartigen Kooperationen sind die Berliner Bühnen untereinander weit entfernt, denn bei den großen Häusern in Ost wie West ist strikter Konkurrenzkampf angesagt. Das Deutsche Theater (DT) konnte jetzt, nach vielen negativen Schlagzeilen um die Findung eines Intendanten, punkten: Vier Top-Regisseure binden sich fest an das Haus in der Mitte Berlins, wie Intendant Bernd Wilms am Mittwoch ankündigte.

Michael Thalheimer, Jürgen Gosch, Barbara Frey und Dimiter Gotscheff sind bundesweit gefragte Theaterleute mit jeweils eigener, vielfach preisgekrönter Handschrift. Und auf die kommt es Wilms ganz besonders an, denn der ärgste Konkurrent um die Gunst der Zuschauer sitzt nur einen Steinwurf entfernt: Claus Peymann mit seinem Berliner Ensemble. Und plötzlich hat der Wessi Wilms, der nach Ansicht des Berliner Kultursenators Thomas Flierl (PDS) eigentlich nicht länger Intendant am DT sein sollte, wieder die Nase vorn: Die DT-Produktion "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" in der Regie von Jürgen Gosch ist zum Theatertreffen 2005 eingeladen, ebenso wie der neue Hausregisseur Thalheimer mit seiner Hamburger "Lulu"-Inszenierung.

Der umtriebige Thalheimer, der in den vergangenen Jahren mit Inszenierungen in München, Hamburg, Dresden und auch Berlin für Furore gesorgt hatte, wird künftig Leitender Regisseur und Mitglied der künstlerischen Leitung des Deutschen Theaters. "Als 'reisender Regisseur' war ich schon lange auf der Suche nach einer künstlerischen Heimat", sagte Thalheimer. Erst im Februar hatte er an der Berliner Staatsoper Unter den Linden auch seine erste Opern-Regiearbeit vorgelegt. Am Deutschen Theater habe er immer künstlerische Rückendeckung gehabt und darum sei er immer lieber an dieses Haus gegangen. Am Hamburger Thalia Theater, wo er bislang zwei bis drei Stücke pro Spielzeit auf die Bühne brachte, werde er für ein Jahr aussetzen, kündigte er an.

Ambitionen, die Stelle von Wilms als Intendant zu übernehmen, habe er derzeit nicht, sagte der 39-jährige Starregisseur. "Das ist nicht mein Ziel. Aber irgendwann könnte ich mir schon vorstellen, Intendant zu sein", fügte er hinzu. Vorerst aber habe er großes Interesse, einen Film zu machen, und auch seine Opernarbeit werde er in der kommenden Spielzeit fortsetzen. Schauspielarbeiten an anderen Berliner Bühnen werde es von ihm in der kommenden Spielzeit nicht geben.

Die Regisseure Gosch, unlängst zum Regisseur des Jahres 2004 gewählt, und Gotscheff werden je zwei Arbeiten pro Spielzeit bei Wilms abliefern, Frey wird drei Inszenierungen zeigen. Thalheimer wird in den kommenden zwei Jahren fünfmal für die Regie verantwortlich zeichnen. Der in Bulgarien geborene Gotscheff kündigte an, seine Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz trotz des Engagements am DT weiterzuführen. "Zwischen uns vier Regisseuren liegen Welten, aber wir müssen uns gegenseitig respektieren, dann profitiert auch das Deutsche Theater davon", sagte Gotscheff.

Angelika Rausch, ddp



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