Gerichtsurteil zu Buchtitel "Wanderhure" darf weiterwandern

Der Autor Julius Fischer verfremdete auf ironische Weise den Titel einer Romanreihe. Der Verlag der "Wanderhure"-Bücher sah dadurch seine Markenrechte verletzt. Nun entschied die zweite Instanz - für die Kunstfreiheit.
Alexandra Neldel in der Sat.1-Verfilmung der "Wanderhure": Verlag muss Persiflage hinnehmen

Alexandra Neldel in der Sat.1-Verfilmung der "Wanderhure": Verlag muss Persiflage hinnehmen

Foto: Sat.1

Düsseldorf/Hamburg - Das satirische Buch "Die schönsten Wanderwege der Wanderhure" darf weiterhin unter diesem Titel verkauft und verlegt werden. Das entschied am Dienstag das Oberlandesgericht in Düsseldorf und hob damit das Urteil der vorhergehenden Instanz auf.

Der ironische Titel genieße Kunstschutz und stehe zudem in engem Bezug zum ersten Kapitel des Buches, sagte der Richter am Oberlandesgericht, Wilhelm Berneke, zur Begründung. Mit der Entscheidung gab der Senat dem Dresdner Verlag Voland & Quist Recht, der den Kurzgeschichtenband herausgibt und auf die Kunstfreiheit gepocht hatte.

Da der Titel, den der Autor Julius Fischer für sein Buch gewählt hat, in seiner satirisch-ironischen Formulierung eine Kombination des heutigen Vergnügens an "schönen Wanderwegen" mit einer mittelalterlichen "Wanderhure" schaffe, sei er bereits selbst "Kunst", begründete das Gericht seine Entscheidung.

Das Landgericht Düsseldorf hatte den Verkauf im März untersagt, weil der Titel nicht als Satire erkennbar sei und sich das Werk die Erfolge der eigenen "Wanderhuren"-Serie zu Nutzen mache. Der Verlag Droemer Knaur (München), der die Bestseller-Buchreihe "Die Wanderhure" verlegt, hatte seine Titelrechte verletzt gesehen.

In der Abwägung zwischen den Grundrechten Kunstfreiheit und Schutz des Eigentums entschied das OLG Düsseldorf nun allerdings für die Kunstfreiheit. Gegen diese Entscheidung besteht kein Rechtsmittel.

feb/dpa