"Die Vorleser" ZDF streicht Literatursendung

Aus für die "Vorleser": Nach SPIEGEL-Informationen stellt das ZDF seine Literatursendung mit Amelie Fried und Ijoma Mangold ein. Zu Recht. Die Büchershow hatte nicht nur schlechte Quoten - vor allem war sie öde. Eine Nachfolgesendung wird wohl nicht vorm Sommer zu sehen sein.
Haben ausgedient als "Vorleser": Amelie Fried (r) und Ijoma Mangold

Haben ausgedient als "Vorleser": Amelie Fried (r) und Ijoma Mangold

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance/ dpa

Muss das ZDF nun doch wieder bei Elke Heidenreich anfragen? Als sie 2008 die Sendung "Lesen!" aufgeben musste, weil sie sich öffentlich über ihren Arbeitgeber aufgeregt hatte, da war es wenigstens noch im allgemeinen Bewusstsein präsent, dass es im ZDF auch nach der Ära Marcel Reich-Ranicki noch eine Büchersendung gibt. Die Frau war umstritten. Die einen liebten Heidenreich. Die anderen fanden sie zu laut, zu aufdringlich, zu subjektiv. Aber langweilig war sie eher nicht.

Bei der Suche nach den Nachfolgern entschied sich das ZDF damals wohl aus lauter Angst vor Ärger für zwei, die für alles mögliche stehen, nur nicht für Aufregung. Amelie Fried und Ijoma Mangold, die unter dem Gähn-Titel "Die Vorleser" antraten, sind zwar zwei sympathische Figuren des Literaturbetriebs, aber eben auch die letzten, die man irgendwie schrill finden könnte. Müde streuselten sie ihre Feuilleton-Floskeln wie Zucker über die Neuerscheinungen des Jahres. Mit dem Spielzeug Fernsehen wussten beide im Grunde nichts anzufangen. Sie lächelten viel. Aber das reichte nicht.

So ist es nur folgerichtig, dass das ZDF die Sendung, die zum reinen Alibiformat fürs Kulturpublikum verkommen war, jetzt einstellt. "Die Sendung vom 3. Dezember war die letzte", bestätigt Programmdirektor Thomas Bellut Informationen des SPIEGEL. Ein neues Literaturformat mit dann neuen Moderatoren werde nicht vor dem Sommer starten. "Es war sicher auch unser Fehler, dass wir auf eine Doppelmoderation gesetzt hatten." Die Moderatoren hätten ihre Sache gut gemacht.

Kaufempfehlungen an die Jüngerinnen und Jünger

Die Sendung war kein Ereignis. Das beste, was sich über sie sagen lässt, ist, dass Fried und Mangold nach Reich-Ranicki und Heidenreich und selbst im Vergleich zum semi-sympathischen Denis Scheck ("Druckfrisch", ARD) die mit Abstand am wenigsten irren Literaturmoderatoren der jüngeren Kulturgeschichte waren. Überall wäre das ein Lob - nur nicht im TV. Nie schienen sie Bücher derart zu lieben wie Heidenreich oder gar hasszulieben wie Literatur-TV-Urgewalt Reich-Ranicki. Weder für Fried noch für Mangold mochte man sich wirklich begeistern. In der Show wirkten beide nur noch musterschülerhaft und bieder und manchmal auch blasiert. Selbst dazu, sich über sie aufzuregen, fehlten einem Anlass und Inspiration. Die Quoten waren schlecht. Aber das war ja auch keine Überraschung.

Heidenreich konnte man mit Recht furchtbar finden und mit ebensolchem Recht großartig. Eigentlich tat sie ja nichts anderes, als Kaufempfehlungen an ihre Jünger und Jüngerinnen zu vergeben. Doch dabei hatte sie einigen Erfolg. Der Aufstieg des leicht lesbaren Philosophen Richard David Precht an die Spitze der Bestsellerlisten wäre ohne Heidenreich kaum denkbar gewesen. Und was wären Deutschlands Polittalks heute ohne dessen irritierte Blicke und ausschweifende Exkurse? Für welche Bücher und Autoren haben eigentlich die "Vorleser" einen zu interessieren vermocht?

Schön wäre, wenn das ZDF nun den Mut fände, jemanden zu verpflichten, der an die Tradition von Reich-Ranicki und Heidenreich anknüpfen könnte. Und wenn es nur dem Zweck dient, dass sich mancher Deutschlehrer vor dem Fernseher wieder mal gepflegt aufregen kann.

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