Was soll der Hype? Satiriker verbreitet Falschmeldungen über "Zeit"-Account
Leo Fischer/ Twitter/ "Zeit-Magazin"
Was ist das? Den Account des Magazins der "Zeit" übernehmen wochenweise unterschiedliche Medienmacher. Damit will die "Zeit" laut eigener Aussage vor allem auf die Stärke von Twitter setzen: "offene Debatten zu führen". Anfang der Woche war Leo Fischer an der Reihe, der Ex-Chef des Satiremagazins "Titanic"; im Profilfoto stilecht mit fotomontierter Erika-Steinbach-Frisur. Er wühlte mit seinen Tweets zunächst vor allem lustvoll in den All-time-Wunden der Republik: Feminismus, Wahlkampf, sterbende Printmedien:
Guten Morgen! Wenn Ihr ein sterbendes Medium wärt, wie würdet Ihr den Kahn noch mal rumzureißen versuchen?
— ZEITmagazin (@ZEITmagazin) August 8, 2017
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Fanden viele ganz lustig auf Twitter.
Was ist passiert? Am Donnerstag geschahen zwei sehr unterschiedliche Dinge: Die Spannungen mit Nordkorea verschärften sich - und Mehmet Scholl und die ARD beendeten die Zusammenarbeit. Fischer twitterte über den Account des "Zeit-Magazins": "Südkoreanische Medien melden Explosion, Lichtblitz über Pyöngjang" und "Eilmeldung: Mehmet Scholl ist tot". Bäm. Die "Zeit"-Redaktion entzog Fischer den Zugang. "Bild"-Chef Julian Reichelt gefällt das. Leo-Fans formieren sich, Hashtag: #freeleo.
Die Tweets wurden umgehend gelöscht, sie sind nicht mit unseren Standards vereinbar. Die Twitter-Kolumne von Leo Fischer wurde beendet. 1/2
— ZEITmagazin (@ZEITmagazin) August 10, 2017
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Give @leogfischer Login-Daten für @ZEITmagazin back or we will answer WITH FIRE AND FURY the world has never seen before! #FreeLeo
— ppprs (@Ueberschwall) August 10, 2017
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Wozu führt das? Erst zu Satire. Dann zu Realsatire.
Wie ist das? Für die "Zeit" eine ziemlich haarige Lektion in Sachen "You can't control the Internet": Nach Fischers ersten Äußerungen ahnte man vermutlich schon, was da kommen würde - und setzte vorsorglich gemeinsam mit Fischer einen Tweet ab: "Satire darf alles" (plus Zwinkersmiley).
Hinweis: Tweets von @leogfischer (lf) geben nicht unbedingt die Meinung der Red. (red) wieder. Satire darf alles ;-) (red) (lf)
— ZEITmagazin (@ZEITmagazin) August 7, 2017
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Die Reaktion nun zeigt einerseits: Offene Debatten führen? Ja, aber ganz so offen dann doch bitte nicht. Nicht so souverän. Andererseits: Welches seriöse Medium will schon falsche Nachrichten verbreiten - und dann auch noch welche über derart heikle Themen (militärischer Konflikt, Tod eines Prominenten)?
Und für Leo? Ziemlich gut gelaufen. Auf dem Account der "Zeit" einmal die "Titanic" durchgespielt.
Für wen ist der Hype? Für jeden, der auf Twitter ist (also fast niemand). Für jeden, der Leo Fischer kennt (bitte, wen?). Für jeden, der schon immer mal hämisch auf einen Medienverlag gucken wollte. Also vor allem für Journalisten. Jetzt aber: Bitte wieder an die Arbeit, Kollegen.
Durch das Wegfallen des Zeitaccounts ist mir auch eine wichtige Einkommensquelle flöten gegangen. Jede Spende hilft! https://t.co/SnMIExN0ox
— Leo Fischer (@leogfischer) August 10, 2017
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