Nach langer Krankheit Dirigent Mariss Jansons gestorben

Der Dirigent Mariss Jansons ist tot. Der im lettischen Riga geborene Jansons starb im Alter von 76 Jahren. Die Wiener Philharmoniker widmen ihm ihr Sonntagskonzert.

Mariss Jansons in Tokio (Archivbild von 2012): Grundstein für seine Weltkarriere in Oslo gelegt
BR/ Koichi Miura

Mariss Jansons in Tokio (Archivbild von 2012): Grundstein für seine Weltkarriere in Oslo gelegt


Die musikalischen Fähigkeiten des Dirigenten Mariss Jansons sind auf der ganzen Welt bekannt. Seine Interpretationen der Symphonien von Gustav Mahler und Dimitri Schostakowitsch sind legendär. Doch seine größte Liebe galt immer der Oper.

Im Sommer hatte der Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) bereits eine Regenerationspause einlegen müssen, vor wenigen Wochen erst sagte er seine Teilnahme an einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall ab.

Nun ist er im Alter von 76 Jahren gestorben. Das teilte eine Sprecherin der Wiener Philharmoniker mit.

Mariss Jansons zählte zu den bedeutendsten Dirigenten weltweit. Er wurde 1943 im Getto von Riga geboren. Sein Vater Arvid Jansons war ebenfalls Dirigent, seine jüdische Mutter Iraida eine Mezzosopranistin.

Nach Studien bei dem legendären Dirigentenausbilder Hans Swarowsky in Wien und bei Herbert von Karajan in Salzburg machte der große russische Dirigent Jewgeni Mrawinski den jungen Jansons zu seinem Assistenten. Der damalige Chef der Leningrader Philharmoniker prägte Stil und Repertoire des jungen Dirigenten entscheidend. Seither wurde Jansons der "russischen Schule" zugerechnet. Auch seine Vorliebe für Dimitri Schostakowitsch rührte von seinem Lehrer her, der mehrere Werke des Komponisten uraufgeführt hatte.

In der norwegischen Hauptstadt Oslo hatte Jansons den Grundstein für seine Weltkarriere gelegt. Von 1979 bis 2000 wirkte er als Chefdirigent der Osloer Philharmoniker, die er zu einem internationalen Spitzenorchester formte.

Seit 2003 leitete er das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Er hatte dort seinen Vertrag bis zum Jahr 2024 verlängert.

"Enge künstlerische Partnerschaft und eine tiefe persönliche Freundschaft"

Jansons galt als detailversessener Handwerker. Er wurde vielfach geehrt, er ist Träger des Ernst von Siemens Musikpreises (2013) und des Opus Klassik für das Lebenswerk (2019), wurde zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien sowie der Royal Academy of Music in London ernannt. Er ist auch Ehrenmitglied der Berliner und der Wiener Philharmoniker. Die Republik Lettland verlieh ihm den Orden "Drei Sterne". 2017 erhielt Jansons die Goldmedaille der Royal Philharmonic Society, eine der höchsten Auszeichnungen für klassische Musik.

Bereits im November 2018 hatte Jansons Konzerte wegen einer Erkrankung absagen müssen. 1996 erlitt der Dirigent bei einer Aufführung von Giacomo Puccinis "La Bohème" einen Herzinfarkt, den er nur knapp überlebte.

Wie der Vorstand der Wiener Philharmoniker, Daniel Froschauer, erklärte, widmeten die Wiener ihr Sonntagskonzert dem Maestro. Jansons war Ehrenmitglied der Philharmoniker. "Mit ihm verbindet uns eine jahrzehntelange enge künstlerische Partnerschaft und eine tiefe persönliche Freundschaft", hieß es.

Mehr zu seinem musikalischem Schaffen lesen Sie hier.

vks/dpa



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