Documenta Ehemaliger Leiter sieht Unabhängigkeit gefährdet

Nach Finanzproblemen: Der frühere künstlerische Leiter der Documenta, Roger M. Buergel, fürchtet um die Unabhängigkeit der Kunstausstellung in Kassel. "Riskante Projekte muss es immer geben."

Roger M. Buergel
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Roger M. Buergel


"Meine Angst ist, dass jetzt politischen Interventionen die Tür geöffnet ist", sagt Buergel, ehemaliger Leiter der Documenta 12 im Jahr 2007 und heute Direktor des Zürcher Johann Jacobs Museums. Das "Konstrukt Documenta" sei in Gefahr.

Unlängst war bekannt geworden, dass die Documenta in Kassel ihr Budget weit überschritten hatte. Es drohte die Pleite, Stadt und Bundesland halfen mit einer Bürgschaft über 3,5 Millionen Euro finanziell aus. Adam Szymczyk, der künstlerische Leiter der aktuellen Documenta, gab daraufhin zu, das Budget strapaziert zu haben, kritisierte aber, dass die Politik über seine Pläne im Bilde gewesen sei und sich jetzt "als 'Retter' in einer Krise präsentiert, deren Entwicklung sie selbst zugelassen hat".

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Documenta-Highlights: Parthenon und Panzer

Eben in dieser finanziellen Unterstützung sieht Ex-Leiter Buergel die Gefahr: Bisher habe die künstlerische Leitung einen hohen Grad der Autonomie gehabt. "Die Politik hat nie reingepfuscht, der Aufsichtsrat hat sich vornehm zurückgehalten", erklärte er. Das dürfe sich durch den Konflikt um die aktuelle Documenta 14 nicht ändern. "Riskante Projekte muss es immer geben", sagte Buergel. Sonst verliere die Ausstellung ihren Reiz.

Besucherzahlen seien Orientierungsgröße für Inkompetente

Auch bei der Documenta 12 gab es laut Buergel Probleme: Man brauchte mehr Geld, um einen Pavillon in der Aue zu finanzieren. "Da hatten wir Diskussion mit Politikern, ob die Stadt dafür geradesteht, wenn das in die Hose geht." Das sei aber vorher besprochen worden. Am Ende war es unnötig: Die Documenta 12 schloss mit einem Plus ab.

Dass die aktuelle Ausstellung möglicherweise keinen neuen Besucherrekord aufstellt, findet Buergel nicht schlimm: Das sei eine "Orientierungsgröße für Inkompetente". Eine Geschäftsführung der Documenta dürfe sich auf solche Maßstäbe nicht einlassen. Debatten um die künstlerische Qualität der Documenta werde es immer geben. "Entscheidend ist, dass das Gerüst stimmt", erklärte er.

Die Documenta ist die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Sie endet am Sonntag.

gia/dpa



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