Documenta Im Minus trotz höherer Einnahmen und Besucherrekord

Die 14. Documenta hat höhere Einnahmen gebracht als erwartet, trotzdem müssen Stadt und Land mit Bürgschaften einspringen. Der zweite Standort Athen soll schuld sein. Doch wo Geld versickert ist, ist noch unklar.

Documenta-Kunstwerk von Olu Oguibe auf dem Königsplatz in Kassel
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Documenta-Kunstwerk von Olu Oguibe auf dem Königsplatz in Kassel


Trotz höherer Einnahmen als geplant hat die Documenta im laufenden Jahr ein Defizit von 5,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Das gaben Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) für den Aufsichtsrat der Documenta am Donnerstag in Kassel bekannt.

Sie erklärten, dass die Stadt und das Land durch Bürgschaften jeweils vier Millionen Euro für die Documenta gGmbH bereitstellen. Die höhere Summe von acht Millionen soll die Zahlungsfähigkeit bis Jahresende sicherstellen. Vergangene Woche war bereits bekannt geworden, dass Stadt und Land mit Bürgschaften - damals war als Umfang jeweils 3,5 Millionen Euro genannt worden - einspringen mussten, um die Ausstellung vor der Insolvenz zu bewahren.

Nun erklärten Rhein und Geselle, dass die Ursache für das Defizit der zweite Ausstellungsstandort gewesen sei. Erstmalig fand die Documenta in diesem Jahr sowohl in Kassel als auch in Athen statt. Wo das Geld geblieben ist und wer die Verantwortung trage, "bedarf der Vertiefung und weiteren Aufklärung", sagte Kunstminister Rhein. Es habe aber etwas mit Miet-, Energie-, Transport- und Personalkosten in Griechenland zu tun.

"Sehr viel mehr Bedingungen"

Personelle, strukturelle und finanzielle Konsequenzen für die Documenta ziehe man zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Welche Schlüsse zu ziehen sind, werden wir im November beraten", sagte Oberbürgermeister Geselle. Dann gebe es eine weitere Aufsichtsratssitzung.

Der Künstlerische Leiter der Documenta 14, Adam Szymczyk, hatte Konzept und Durchführung der Ausstellung zuvor verteidigt: Seine Pläne habe er "deutlich kommuniziert", gerade dieses Konzept "mit den ihm innewohnenden und vorhersehbaren Herausforderungen" habe die Findungskommission überzeugt. Nun aber sehe er, "dass diese Zustimmung sehr viel mehr an Bedingungen geknüpft und begrenzt war, als man uns glauben ließ".

Insgesamt hat die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst im laufenden Jahr statt 26,3 Millionen Euro 29,6 Millionen eingenommen. Die Kosten belaufen sich aber auf knapp 35 Millionen Euro. Zusätzlich erzeugen noch nicht erhaltene Einnahmen Liquiditätsengpässe. Man müsse sehen, welches Defizit am Jahresende stehe, so Rhein und Geselle. Das teilten sich dann Stadt Kassel und Land Hessen als Gesellschafter.

Die Documenta 14 in Kassel und Athen besuchten im Sommer über 1,2 Millionen Menschen. Absolut genommen ist das ein Rekord. Doch die guten Zahlen erklären sich auch dadurch, dass diese Documenta durch die Überlappung an den beiden Standorten statt der traditionellen 100 Tage diesmal 163 Tage lief. Die 13. Documenta, die ausschließlich in Kassel stattfand, haben insgesamt 905.000 Besucher gesehen.

hpi/dpa



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