Spazierengehen als Kunst Die besten Bilder von der Documenta

Wer durch Kassel läuft, sieht Spektakuläres: einen glitzernden Tempel, balancierende Performer, verhüllte Gebäude, Pyramiden im Park. Die Documenta in Bildern.

Spiegel Online

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Die wenigsten Menschen haben vermutlich je von der Kunst der Promenadologie gehört. Gemeint ist die Wissenschaft des Spaziergangs. Es geht um die Wahrnehmung der eigenen Umgebung beim Schlendern. Wie verhält sich der Mensch in Freiräumen? Was sieht er? Und wie viel erkennt er dabei?

Erfunden hat das reflexive Bummeln in den Achtzigerjahren der Soziologe Lucius Burckhardt in Kassel. Stadtplaner, Architekten und Soziologen interessierten sich dafür, aber bald auch Kuratoren zeitgenössischer Ausstellungen. In den nächsten Tagen soll die Kunst des Flanierens in Kassel ein Revival erfahren, denn Documenta-Chef Adam Szymczyk wünscht sich, dass sich die Besucher seiner am Samstag eröffneten Schau die Stadt Kassel durch Lustwandeln neu erschließen.

Zwölf Euro pro Person kostet ein nach Burckhardts Vorbild angeleiteter Spaziergang über die Documenta, bei dem sich Besucher in der Gruppe Gedanken machen sollen über das Gehen und das Sehen. Doch die geführten Touren weichen kaum ab von den alten Pfaden zwischen Fridericianum, Documenta-Halle und den Fulda-Auen.

An Kunst in Kassel kommt aber auch ohne Profi-Führung kaum jemand vorbei. Skulpturen, Klanginstallationen, Performances - die prägnantesten Werke der Documenta finden sich im öffentlichen Raum. Einige davon sind monumental und plakativ, andere bedrohlich, wieder andere ohne Hinweis kaum zu finden.

Fast alle dieser Beiträge tragen unangenehme Botschaften, manche klingen nach Warnungen, es sind Mahnungen an die Öffentlichkeit: Auf der 14. Documenta geht es um die schweren politischen Themen, um Krieg, Flucht und Vertreibung und um die Folgen des Finanzkapitalismus.

Daran erinnern etwa der riesige Obelisk des Exils in der Shopping-Meile, der glitzernde Bücher-Tempel auf dem Friedrichsplatz und der monatelang rauchende Zwehrenturm in der Innenstadt. In den Fulda-Auen wurde die Grasnarbe abgetragen und eine Blutmühle aufgestellt, die Münzen prägt. Unterwegs in der Stadt sind Performer zu sehen, die Bücher auf dem Kopf tragen oder aus Bauchläden heraus schwarze Seife verkaufen.

In unserer Bilderstrecke sehen Sie, wo Sie in Kassel hingucken müssen.

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8  Bilder
Documenta: Spektakuläres Spazieren
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