Nach Politiker-Absagen MDR verzichtet auf Podiumsdiskussion mit Protagonisten aus Chemnitz-Doku

Zur Debatte über den Film "Chemnitz - Ein Jahr danach" hatte der MDR eine zentrale Figur der rechten Szene eingeladen. Nach Absagen anderer Gesprächspartner wurde nun das Konzept des "Publikumsdialogs" geändert.

Ausschreitungen in Chemnitz 2018
FILIP SINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ausschreitungen in Chemnitz 2018


Die Vorabpremiere eines Dokumentarfilms über die Ereignisse von Chemnitz im August 2018 hatte eine Debatte darüber ausgelöst, wie mit den Protagonisten umzugehen sei. Nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Mannes hatte es gewaltsame Aufmärsche der rechten Szene in der sächsischen Stadt gegeben. Mit der Reportage "Chemnitz - Ein Jahr danach" will der MDR zeigen, was sich seither geändert hat. Sie soll am 26. August im Ersten ausgestrahlt werden.

Der Sender hatte zu einer Diskussionsrunde mit den Protagonisten im Anschluss an die öffentliche Vorabpremiere des Films am 22. August geladen. Unter den geplanten Gästen war auch der Rechtsextreme Arthur Österle, heute in der AfD. Vor einem Jahr war er bei den Aufmärschen als Ordner für die rechtsextreme Organisation "Pro Chemnitz" dabei.

Österles Teilnahme hatte zu Protesten in den sozialen Netzwerken geführt. Margarete Rödel, die für die Grüne Jugend auf dem Podium sitzen wollte, sagte ihre Teilnahme am Mittwoch ab. Am Donnerstag tat es ihr die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) gleich. Ludwig sei "nicht davon ausgegangen, vom MDR auf ein Podium mit einem offenbar bekennenden Neonazi platziert zu werden", sagte ein Sprecher der Stadtgegenüber der "taz".

Nun hat der MDR auf die Absagen reagiert und die Podiumsdiskussion mit den Filmprotagonisten komplett gestrichen. Die "gewollte Konstellation" sei aus Sicht des Senders nicht mehr sinnvoll umzusetzen. "Wir haben natürlich die kontroverse Debatte um die Besetzung des Podiums verfolgt und auch als wichtige Diskussion wahrgenommen", sagte MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi einer Sendermitteilung zufolge. "Wir bedauern die Absagen sehr, da wir gern den breiten Dialog geführt hätten."

Am Termin der Vorabpremiere hält der MDR fest, und auch einen Publikumsdialog soll es geben: Man biete eine Gesprächsrunde mit Machern des Films sowie Programmverantwortlichen an.

feb

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