Dr. Mitte Zahlenspiele und Liebesstrategien

Hickhack ohne Ende: Die Love Parade legt ihre Finanzen offen und klagt auf die Anerkennung der Veranstaltung als Demonstration. Unterdessen haben die Tiergartenschützer einen Verfahrensfehler entdeckt und versuchen nun, die Parade durch den Tiergarten doch noch zu verhindern.

Von Jürgen Laarmann


Losgelöste Raver auf der Love Parade: 21. Juli erneut in Gefahr?
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Losgelöste Raver auf der Love Parade: 21. Juli erneut in Gefahr?

200.000 Mark Gewinn sollen es gewesen sein, die die Veranstalter der Love Parade in guten Zeiten gemacht haben. Doch auch in den heutigen schlechten Zeiten stehe man fest zum Techno-Umzug. Großmütig und nobel klang das, was die Veranstalter der Love Parade am Mittwoch einer Gruppe handverlesener Journalisten über ihre Finanzsituation erzählten. Man sei in diesem Jahr sogar bereit, den prognostizierten Verlust von 1,5 Millionen Mark zu tragen, der sich daraus ergebe, dass einige Sponsoren auf Grund der Terminunsicherheit abgesprungen seien.

Jahrelang gab die Love Parade GmbH keinerlei Auskünfte, wann immer es Anfragen zu ihren finanziellen Verhältnissen gegeben hatte. Doch nun hatte der Berliner Senat den Veranstaltern das Demonstrationsrecht versagt. Zudem steht seit Jahren der Vorwurf im Raum, die Love Parade privatisiere ihre Gewinne und sozialisiere die Kosten. Da wagten die Parade-Macher den Sprung ins kalte Wasser und legten ihre Zahlen offen.

Die Bilanzen der Vorjahre weisen demnach nur schmale Überschüsse aus: In den vergangenen fünf Jahren habe man mit der Love Parade gerade mal einen Gewinn von 1,25 Millionen Mark erwirtschaftet. Das vorgelegte Zahlenwerk berücksichtigt allerdings nicht die Geschäfte der Love-Parade-Gesellschafter untereinander. Auch liegen die Einnahmen aus dem Verkauf der Love-Parade-Tonträger über das Label Low Spirit (an dem Love-Parade-Gesellschafter beteiligt oder assoziiert sind) vermutlich erheblich höher als der Teil, der allein an die Parade zurückgeführt wird. Das könnte das scheinbar altruistische Durchhaltevermögen angesichts der angekündigten Verluste in diesem Jahr erklären.

Doch selbst ein kommerzieller Gewinn wäre nach Auffassung der Anwälte kein Grund, der Love Parade das Demonstrationsrecht abzuerkennen. Das sei, hämten die Veranstalter, wie mit der Pressefreiheit, für die die Damen und Herren Journalisten ja wohl alle einstünden, gleichzeitig ja aber auch nicht forderten, dass die Medienhäuser oder gar sie selbst kein Geld verdienen dürften.

Love Parade: Das Hickhack nimmt kein Ende
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Love Parade: Das Hickhack nimmt kein Ende

Tatsächlich geht es eigentlich nur um die Summe von rund 600.000 Mark, die die Veranstalter in diesem Jahr erstmals für die Beseitigung von Müll und Schäden im Tiergarten bezahlen sollen - aber eben nur, wenn die Party keine Demonstration ist. Dafür haben die Veranstalter ebenfalls erstmals das Recht, exklusiv das Catering im Tiergarten zu betreiben oder es zu vergeben. Nach Schätzung von Berliner Gastronomen wäre allein damit sogar mehr als die Summe für die Müllbeseitigung zu erwirtschaften.

Einen Strich durch die ganzen schönen Rechnungen könnten aber auch noch die Tiergartenschützer machen, die einen Verfahrensfehler des Berliner Senats erkannt haben wollen. Sie klagen jetzt gegen die Vergabe der Sondernutzungserlaubnis für den Tiergarten. Der inzwischen abgewählte Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner habe die Erlaubnis erteilt, bevor die Einspruchsfrist gegen die "Außerkraftsetzung der Lärmverordnung" ausgelaufen sei, lautet die Begründung.

Sollte die Klage Erfolg haben, wäre der 21. Juli als Termin für die Love Parade erneut in Gefahr. Dann müssten die Techno-Umzügler ihren diesjährigen Umsatz durch eine Schadenersatzklage gegen das Pleite-Land Berlin erzielen.



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