Dresdner Brücken-Dilemma Neue Hoffnung auf Kompromiss

Dresden will sich den Unesco-Welterbetitel für das Elbtal offenbar nicht ohne weiteres aberkennen lassen. Der Stadtrat beschloss, dass Architekten welterbeverträgliche Vorschläge für die Waldschlösschenbrücke einreichen sollen.

Dresden - Bis zum Sommer soll es einen Kompromiss geben, der die Brückengegner und -befürworter an der ostdeutschen Elbmetropole wieder miteinander versöhnt. In einer Abstimmung hat der Stadtrat beschlossen, nun doch Alternativvorschläge von Architekten für die umstrittene Waldschlösschenbrücke einzuholen. Damit sollen Brückenpläne gefunden werden, die das Panaroma an der sensibelsten Stelle der 20 Kilometer langen Flusslandschaft nicht verschandeln. Denn genau das kritisiert die Unesco beim jetzigen Entwurf und droht mit der Aberkennung des erst vor drei Jahren an das Elbtal verliehenen Titels.

Das Welterbe-Komitee der UN-Kulturorganisation will am 23. Juni im neuseeländischen Christchurch über die Zukunft des Elbtals entscheiden. Bis dahin sollen der Unesco drei Alternativ-Entwürfe präsentiert werden. Sollten die Kompromisse nicht auf Gegenliebe stoßen, will die Stadt mit der Landesregierung einen Vertrag aushandeln. Darin will sich Dresden verpflichten, die Elbquerung auf jeden Fall zu bauen.

Ein neuer Entwurf ist fürs Erste die einzige Möglichkeit, den Welterbetitel zu behalten. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hatte im März verfügt, dass die Stadt die Bauaufträge für die Waldschlösschenbrücke erteilen muss. Das Gericht stützte sich bei seiner Entscheidung auf einen Bürgerentscheid von 2005, bei dem sich die Mehrheit der Dresdner für die Waldschlösschenbrücke ausgesprochen hat. Dennoch war die Stadt Dresden anschließend vor das sächsische Verfassungsgericht und das Bundesverfassungsgericht gezogen. Eine Entscheidung steht allerdings noch aus.

Druck im Brückenstreit hatte jüngst auch die Bundespolitik gemacht. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ließ bereits Anfang des Monats durchblicken, dass der umstrittene Entwurf nicht vom Bund mitfinanziert werden könnte. Vor einer Woche legte das sächsische Wirtschaftsministerium die Fördermittel in Höhe von 96 Millionen Euro erst einmal auf Eis.

Grundlage für den heute gefassten Beschluss, der es allen Seiten Recht machen soll, war diesmal ein Antrag von Linksfraktion.PDS, Grünen, SPD und Mitgliedern der Bürgerfraktion. Oberbürgermeister Lutz Vogel (parteilos) hatte schon in der vergangenen Woche überraschend einen eigenen Antrag zur Suche nach Alternativentwürfen zurückgezogen, da ein Änderungsantrag aus dem Lager der Brückengegner aus seiner Sicht rechtswidrige Entscheidungen verlangt hätte.

Der Konflikt um die Waldschlösschenbrücke schwelt seit Jahren. 1990 hatten sich die Stadtväter überlegt, wie der Verkehrsfluss verbessert werden könnte. Vier Jahre später beschloss der damalige Dresdner Stadtrat dann den Bau einer Flussquerung zwischen den Stadtteilen Johannstadt und Radeberger Vorstadt. Zunächst waren sich alle einig. Dann folgten verschiedenste Gutachten, erste Bedenken wegen einer möglichen Verschandelung der Landschaft, Sitzungen, Volksbegehren und viel Unmut.

Im Sommer 2004 wurde das Dresdner Elbtal von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Mehr als ein Jahr später stellte sich allerdings heraus, dass das Expertengutachten nicht ganz korrekt war: Die Lage der Brücke wurde nicht genau angegeben. Im Sommer 2006 wurde das Elbtal auf die Rote Liste der gefährdeten Weltkulturgüter gesetzt.

mzs/dpa/ddp

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