Dresdner Waldschlösschenbrücke Denkmalrat macht Druck

Letzte Chance für Dresden: Kurz vor der Entscheidung um den Weltkulturerbe-Status fordert der internationale Denkmalrat, die Bauarbeiten an der Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal sofort einzustellen.


Dresden - Sollte der Bau der Waldschlösschenbrücke fortgesetzt werden, könnte Dresden schon in den kommenden Monaten den Weltkulturerbe-Titel verlieren. Im Streit um den Bau der Brücke im Dresdner Elbtal nennt der internationale Rat für Denkmalpflege, Icomos, einen Tunnel als "einzige Lösung". "Wir können nur raten, den Bau sofort zu stoppen und die Tunnellösung noch zu realisieren", sagte Icomos-Präsident Michael Petzet. Zugleich kritisierte er die "unglaublich sture Haltung" der sächsischen Landesregierung.

Blick auf die Frauenkirche in Dresden: Brückenbau bedroht Weltkulturerbe
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Blick auf die Frauenkirche in Dresden: Brückenbau bedroht Weltkulturerbe

Seit November vergangenen Jahres wird die Brücke im Dresdner Elbtal gebaut - die Unesco hatte daraufhin gedroht, der Flusslandschaft den Titel Weltkulturerbe abzuerkennen. Die Uno-Kulturorganisation befürchtet eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, einen Tunnel als Alternative würde sie allerdings akzeptieren. Icomos berät die Unesco in Weltkulturerbe-Fragen - im Juli wollen die Denkmalpfleger der Unesco empfehlen, Dresden von der Weltkulturerbe-Liste zu streichen.

Mit einem Bürgerentscheid wurde im Jahr 2005 der Bau der Brücke beschlossen, das Sächsische Oberverwaltungsgericht hatte im Nachgang zugestimmt. Ein Bürgerbegehren für einen neuen Entscheid, bei dem über einen Tunnel abgestimmt werden soll, wurde mit rund 21.000 Unterschriften eingereicht. Die Entscheidung wird der Stadtrat am 30. April fällen - noch ist nicht ausgeschlossen, dass diese Alternative realisiert wird.

In Deutschland gibt es 32 Weltkulturerbestätten - 851 sind es weltweit. Durch sie soll der gemeinsame Besitz aller Menschen für die Nachwelt geschützt werden. Denkmalschützer Petzet nannte bei der Vorstellung des "Weltreport 2006/2007" weitere Problemfälle: Dazu gehörten die Altstadt von Stralsund, die Meisterhaussiedlung am Bauhaus Dessau und das Obere Mittelrheintal. Mit Blick auf Stralsund kritisiert Icomos zum Beispiel den Bau einer Tiefgarage. In Dessau fordert die Organisation, zerstörte Teile der Meisterhaussiedlung zu rekonstruieren, statt sie nur städtebaulich zu reparieren. Außerdem hat Icomos Bedenken hinsichtlich des Baus einer Rheinbrücke bei St. Goar.

Darüber hinaus verweisen die Denkmal- und Kulturerbeschützer in ihrem neuen Bericht auf bedrohte Felsmalereien in Nordafrika und Australien, bemängeln Staudammprojekte in der Türkei sowie Hochhausprojekte in St. Petersburg, Prag und Wien.

sta/ddp/dpa



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