DSDS Jugendwächter prüfen Bohlens "Superstar"-Rüpeleien

"Beleidigungen und Bloßstellungen auf unterstem Niveau": Die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" wird auf mögliche Verstöße gegen den Jugendschutz überprüft. Vor allem Casting-Juror Bohlen erregt mit seinen Kandidaten-Bepöbelungen die Besorgnis der Jugendwächter.

München - Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) leitete wegen "Beleidigungen und Bloßstellungen der Kandidaten sowie unterstem Sprachniveau" der Kommentare von Jury-Mitglied Bohlen ein Prüfverfahren ein. "Antisoziales Verhalten wird hier von einer Identifikationsfigur wie Bohlen als cool und erfolgsversprechend dargestellt", erklärte der KJM-Vorsitzende Wolf-Dieter Ring.

Die Kommission leitet nun wegen "möglicher sozialethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen" ein Prüfverfahren ein. Es handele sich nicht um "singuläre Entgleisungen", sondern offenbar um eine "bewusste Inszenierung" durch den Sender, erklärte Ring. "Respektlosigkeiten im Umgang miteinander" gehörten zur "Machart der Sendung". Laut KJM gingen auch Beschwerden aus der Bevölkerung ein. Als problematisch wertet die Kommission vor allem, dass die Sendung aufgrund ihrer Ausstrahlungszeit von 20.15 Uhr bis 21.15 Uhr von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren gesehen wird.

Die KJM hat nach Angaben einer Sprecherin die Möglichkeit einer Beanstandung der Sendung, was einer Art öffentlichen Rüge entspricht. In schweren Fällen können auch Bußgelder verhängt werden. Der Sender kann gegen Sanktionen Widerspruch einlegen, was ein Gerichtsverfahren zur Folge habe könnte. Falls die Kommission Verstöße feststellt, kann für Wiederholungen beispielsweise eine Ausstrahlung vor 22.00 Uhr untersagt werden. Die jüngste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" ist seit dem 10. Januar zu sehen. Sanktionen dürften daher nur bereits ausgestrahlte Sendungen betreffen.

Auch von anderer Seite droht dem erfolgreichen TV-Format (rund 7 Millionen Zuschauer pro Sendung) Ungemach. In einem Brief an die RTL-Chefin Anke Schäferkordt, der dem SPIEGEL vorliegt, sagte der Direktor der NRW-Landesanstalt für Medien, Norbert Schneider: "Es ist überflüssig, und es ist schädlich, wenn der Privatfunk in Deutschland seine Akzeptanz mit Mitteln zu erreichen versucht, die in die Nähe verletzter Menschenwürde geraten."

RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP: "Auch in der vierten Staffel DSDS ist es ist Teil des Konzepts, starke Stimmen ebenso zu zeigen wie skurrile und witzige Szenen aus den Castings." Aufgabe der Jury sei es, die Kandidaten zu beurteilen. "Über einzelne Jury-Kommentare kann man dabei ohne Frage streiten", räumte die Sprecherin ein. "Die Beurteilung der Sendung sollte jedoch nicht an Einzelkommentaren oder einzelnen Szenen festgemacht werden. Wer DSDS auf harte Jury-Sprüche reduziert, hat die Sendung noch nicht gesehen." RTL warte das Ergebnis der Prüfung ab. "Ernst gemeinte Kritik nehmen wir durchaus ernst", sagte Eickmeyer.

bor/AFP/AP

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.