"DSDS" Medienwächter drohen RTL mit Strafe

RTL muss sich wegen der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" in einer Anhörung vor den Jugendschützern verantworten. Besonders Dieter Bohlen wurde für seine "beleidigenden Kommentare" kritisiert.

München - Die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) beschloss nach einer Prüfung des Formats "Deutschland sucht den Superstar" eine mündliche Anhörung des Senders RTL. Von deren Ergebnis werde abhängen, ob es "rechtsaufsichtliche Maßnahmen" gebe, teilte die KJM am Mittwoch in München mit.

Die Inszenierung habe einige Kandidaten gezielt lächerlich gemacht und sie damit dem Spott eines Millionenpublikums ausgesetzt, kritisierte die Kommission mit Blick auf die ersten vier Folgen. "Teil dieser Inszenierung" seien auch die "beleidigenden und herabsetzenden Kommentare" von Jury-Mitglied Dieter Bohlen gewesen. Die KJM sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine "Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern und Jugendlichen" nicht ausgeschlossen werden könne.

"Wir wollen ganz gezielt mit der Geschäftsführung und den Programmmachern ein Gespräch führen und dabei die Verantwortung von Fernsehsendern gegenüber jungen Zuschauern erörtern", sagte KJM-Vorsitzender Wolf-Dieter Ring.

Besonders kritisch wurde bewertet, dass "DSDS" vor Ausstrahlung nicht der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vorgelegt wurde. Zum wiederholten Male sei damit eine Sendung, die aus Jugendschutzsicht "nicht offensichtlich unbedenklich ist", ohne Befassung der FSF gezeigt worden.

RTL gibt sich betont diplomatisch. "Wir freuen uns, dass jetzt ein persönliches Gespräch mit der KJM stattfinden soll und warten das Ergebnis ab", sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer, zu den Vorwürfen.

Die Show war unter anderem bei Politikern, Kirchenvertretern und Medienexperten vor allem wegen der derben Kommentare von Musikproduzent und "DSDS"-Juror Bohlen an den Bewerbern in den Castings in die Kritik geraten. Mittlerweile laufen die Live-Shows mit den besten Kandidaten. Die vierte Staffel war am 10. Januar gestartet.

albi/ddp

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