Dubioses Treffen mit Irans Chef-Zensor "Musikantenstadl" für die Mullahs

In heikler Mission: Der berüchtigte Boss der iranischen Staatsfunks traf sich mit den Chefs der ARD und des ZDF. Worüber wurde gesprochen? Henryk M. Broder hat sich mal ein paar Gedanken darüber gemacht, wie der Besuch verlaufen sein könnte.
ARD-Vorsitzender Boudgoust und ZDF-Intendant Schächter: Kein Alkohol in der Kantine

ARD-Vorsitzender Boudgoust und ZDF-Intendant Schächter: Kein Alkohol in der Kantine

Foto: Jens Kalaene/ picture-alliance/ dpa

Letzte Woche hat der Direktor des Staatlichen Iranischen Rundfunks der Islamischen Republik Iran, Ezzatollah Zarghami, sowohl das ZDF wie auch den SWR besucht und dabei Gespräche mit dem Intendanten des ZDF, Markus Schächter, und dem Vorsitzenden der ARD, Peter Boudgoust, geführt. Wie in solchen Situationen beinahe unvermeidlich, stellte jede Seite die Treffen anschließend anders da.

Die Iraner behaupten, man habe eine stärkere Kooperation vereinbart. Bei ARD und ZDF betont man dagegen, es seien nur Höflichkeiten ausgetauscht worden. Die ZDF-Pressestelle ließ wissen, die "Kollegen des iranischen Fernsehens" hätten die Gelegenheit bekommen, "das neue ZDF-Nachrichtenstudio und dessen digitale Möglichkeiten" kennen zu lernen. Der SWR informierte, die "iranische Delegation" sei an "den technischen Standards und den Produktionsbedingungen interessiert" gewesen. Seinerseits habe der Sender signalisiert, die "unabhängige Berichterstattung aus Iran" stärken zu wollen.

Warum die iranischen Gäste, die nur an technischen Standards ein Interesse hatten, von den Chefs der ARD und des ZDF empfangen wurden, geht aus den Stellungnahmen nicht hervor. In einem solchen Fall wäre der jeweilige technische Direktor zuständig gewesen. Und so bleibt ein Restverdacht, dass nicht nur über "technische Standards und die Produktionsbedingungen" geredet wurde.

Nehmen wir mal an, es gäbe ein Gesprächsprotokoll des Treffens, womöglich von iranischer Seite aufgezeichnet. Was könnte darin stehen? Vielleicht folgendes:

"Wir haben allen Grund, mit dem Verlauf der Konsultationen zufrieden zu sein. Die deutsche Seite äußerte Verständnis für unsere Situation und wies darauf hin, sie sei auch zu Zeiten des Kalten Krieges zu gewissen Konzessionen bereit gewesen, um eine Berichterstattung aus den Ländern des Ostblocks zu ermöglichen."

Grundsätzlich habe die deutsche Seite keine Einwände gegen "eine Intensivierung der Beziehungen und eine Verstärkung des Programmaustausches" zwischen dem staatlichen iranischen Rundfunk und den öffentlich-rechtlichen deutschen Anstalten. Man müsse dabei nur darauf achten, dass "die Sensibilitäten der anderen Seite ausreichend berücksichtigt werden".

So habe die deutsche Seite angeboten, eine Folge des "Musikantenstadl" zu produzieren, in der nur iranische Revolutionslieder gesungen und keine Frauen auftreten würden. Man könne sich auch vorstellen, in Berichten und Dokumentationen über den Nahen Osten, den Namen "Israel" durch "das zionistische Gebilde" zu ersetzen. Allerdings nur, wenn die deutsche Abteilung des iranischen Rundfunks darauf verzichtet, das Horst-Wessel-Lied zu spielen.

Dagegen sei das Angebot der iranischen Seite, ausführliche Berichte über Steinigungen von Ehebrecherinnen und Erhängungen von Homosexuellen zu liefern, von der deutschen Seite höflich abgelehnt worden. Zum einen dürften in Deutschland Ehefrauen nicht einmal verprügelt, geschweige denn gesteinigt werden, zum anderen wäre Homosexualität in Deutschland längst kein Straftatbestand mehr. Im übrigen würden die Gewaltphantasien des Publikum durch die vielen Krimis und die Gerichtsshows bereits hinreichend bedient.

An einer anderen Stelle des Protokolls heißt es, beide Seiten möchten einen Beitrag zur "Verbesserung des politischen Klimas" leisten, wozu auch ein Verzicht auf "gegenseitige Dämonisierung" gehöre. Man wolle den deutschen Korrespondenten in Iran empfehlen, auf den Gebrauch von Begriffen wie "Diktatur", "Unrechtsregime", "religiöser Fanatismus" zu verzichten, im Gegenzug sollen iranische Berichterstatter die Bundesrepublik nicht mehr als "Demokratie", "Sündenpfuhl" und "Republik der Ungläubigen" beschreiben.

Ferner heißt es in dem Gesprächsprotokoll, für die Dauer der Treffen sei sowohl in der Kantine des ZDF wie des SWR der Verkauf alkoholischer Getränke eingestellt worden, was die Gäste als ein "Zeichen des Respekts" empfunden hätten. Auch sei ein gemeinsamer Besuch einer badischen Weinkellerei, der anfangs auf dem Programm gestanden habe, abgesagt worden. Statt dessen habe man den Gästen einen mittelständischen Betrieb in Mainz-Gonsenheim gezeigt, in dem Karnevalskostüme und Fahnen hergestellt werden. Die deutschen Gastgeber seien überrascht gewesen, als sich die iranischen Gäste nach den Lieferkonditionen für dänische und israelische Fahnen erkundigten.

Man sei, heißt es am Schluss, mit den Gesprächen "sehr zufrieden" gewesen und habe vereinbart, "den Gedankenaustausch bald fortzusetzen".

Sowohl die Pressestelle der ARD wie des ZDF erklärten auf Anfrage, ihnen sei von einem "Gesprächsprotokoll" nichts bekannt. Sollte es doch eines geben, könne es sich nur um einen Versuch handelt, die kritische Berichterstattung der ARD und des ZDF über den Iran zu sabotieren.