E-Mail aus Hollywood Tennisschläger und Millionen

Freizeitgestaltung im Wandel: Jahrelang galt Tennis als bevorzugte Freizeitbeschäftigung unter den Berühmtheiten Hollywoods. Je älter und reicher die Stars werden, desto mehr begeistern sie sich allerdings für den gemächlicheren Golfsport. Das allmähliche Ende einer langen Tradition.

Von Helmut Sorge


Tennis-Narren: Schauspieler Braeden, l., mit Spielpartner John McEnroe
Braeden

Tennis-Narren: Schauspieler Braeden, l., mit Spielpartner John McEnroe

Der Mann in kurzen Hosen spielte mal wieder verrückt. Tennisspieler können die Reaktion nachvollziehen - einen leichten Ball verschlagen, wieder einen, obwohl der mit ihm aus London angereiste Coach den Ball zugespielt hatte. Und schon flog der Schläger über den Zaun.

Warum soll ein Sir Elton John auch anders reagieren als Menschen, die nicht am Piano sitzen und "I'm Still Standing" intonieren? Tennis ist Tennis, und jeder Doppelfehler, jeder Netzball kann zum Trauma werden. Nur einen Vorteil hat der Entertainer: Sein Bodyguard holt - wie Pluto den Knochen - den Schläger zurück, wenn's bei Elton nicht läuft. Der Brite glaubt sich derweil unbeobachtet, denn wenn er im Beverly Hills Hotel absteigt, meist im Bungalow Nummer 3, dann ist er stets unter Pseudonym eingeschrieben. Und wer würde diesen Künstler schon morgens um neun Uhr auf dem Tennisplatz vermuten?

Tatsächlich ist so mancher Hollywood-Star zu jener Stunde schon physisch aktiv - Meg Ryan beim Yoga, Arnold Schwarzenegger in seinem eigenen Fitnessraum, Elke Sommer auf dem Golfplatz oder der aus dem norddeutschen Bredenbeck stammende TV-Star Eric Braeden (bürgerlich: Hans Jörg Gudegast), der in der Soap "The Young and the Restless" seit Jahrzehnten die Hauptrolle spielt, auf dem Tennisplatz im Riviera Country Club.

Der vom Speerwurf und Fußball zum Tennis umgestiegene Braeden ist schon, vor allem bei Wohltätigkeitsturnieren, im Doppel gegen John McEnroe und unlängst mit George Bush in Florida angetreten und hat in Monte Carlo mit Prinz Albert ein Turnier gewonnen. Der unterkühlte Glückwunsch des Prinzen Senior an den Prinzen Junior ließ Braeden später darüber nachdenken, ob das gelegentliche Stottern des Monaco-Erben vielleicht mit einem gestörten Vater-Sohn-Verhältnis zu erklären ist.

Spielt gerne in kurzen Hosen: Tennis-Amateur John
AP

Spielt gerne in kurzen Hosen: Tennis-Amateur John

Braeden ist, kein Zweifel, ein Tennis-Narr. Allerdings sind nun selbst jene Hollywood-Schönen, die dem Tennis verschworen waren, wie Elke Sommer etwa, der Wanderung über Fairways und Greens verfallen: Seit fünf Jahren hat die Beverly Hills-Bewohnerin Sommer keinen Tennisschläger mehr angefasst, sondern schwört nun, zumal sie kürzlich eine Runde drei über par spielte, auf Golf - kurz: Abschlag konkurriert in der Glamour-Welt mit Aufschlag.

Clint Eastwood hat in einen feinen Golf Club investiert, oben in Pebble Beach, unweit des Städtchens Carmel, in dem er Bürgermeister war, und Sean Connery, der Schotte, in dessen heimatlichen St. Andrews die ersten Golfer der Geschichte über das raue Küsten-Gelände spielten, ist - beinahe - nur noch zum Filmen bereit, wenn ihm die Produzenten unweit des Drehortes Spielmöglichkeiten zusichern. Selbst Jimmy Connors, Boris Becker und Ivan Lendl, Tennis-Stars vergangener Jahre, sind inzwischen engagierte Golfer.

Für Braeden ist Golf "natürlich kein Leistungssport", sondern, in Churchill-Speak formuliert, "gymnastisches Wandern". Als der aus Peru stammende Alex Olmedo, 1959 Wimbledonsieger, kürzlich nach 36 Jahren als Tennis-Coach seinen Rücktritt erklärte, weil ihn nach so viel Spielerei mit der Hollywood-Society der Rücken schmerzte, reagierte Braeden spontan: Cocktails, Buffetdinner am Pool in seiner Villa in Pacific Palisades, Livemusik mit den "Inka Kings". Braeden-Nachbar Sugar Ray Leonard, ehemals Boxweltmeister und nun engagierter Tennisspieler (auf eigenem Platz), musste absagen, doch so mancher ehemalige Tennisprofi feierte mit dem "Chief" (Olmedo), der wohl wie kein anderer Mann die schönsten Frauen der Welt laufen ließ - von Katherine Hepburn und Ava Gardner (in den Sechzigern), bis hin zu Nicole Kidman (in den Neunzigern).

Olmedo, 65, konnte im Gegensatz zu manchem Regisseur auch Stars wie Dustin Hoffman, Charlton Heston sowie Tom Cruise dazu bewegen, Hilfsarbeiten zu leisten, nämlich Bälle einzusammeln. Häufig engagierten auch Multimillionäre Olmedo als Doppelpartner für ihre privaten Turniere auf Long Island. Olmedo flog allerdings nur dann nach New York, wenn er seine Hunde "Kaiser" (ein Rottweiler) und "Maggie" (ein Labrador) versorgt wusste und das in Aussicht stehende Honorar den Flugstress überwog.

Trainer-Altstar: "Chief" Olmedo
Helmut Sorge

Trainer-Altstar: "Chief" Olmedo

1970 organisierte Tommy Cook, inzwischen 72, erstmals nahe San Diego sein erstes Wohltätigkeitsturnier. 72 Stars, darunter Clint Eastwood, Linda Evans und Dionne Warwick schlugen auf zum Wohlergehen der Kranken und Darbenden. Über Jahrzehnte brachte er die Hollywood-Schönen mit den Tennis-Stars zusammen. Cook, selbst Schauspieler, in der Jugend Rundfunkstar und später eher in Nebenrollen aktiv, kam auch über einen Freizeitjob mit den Stars auf Tuchfühlung: Vier Jahre lang unterrichtete er die Familie Dean Martin im Tennis. Und nebenbei schrieb er an einem Drehbuch, das Tennispartner (und damaliger Warner Bros.-Chef) Bob Evans 1978 produzierte: "Player's". Die Geschichte eines undisziplinierten Tennistalents, das von einer dem Sport verbundenen Lady auf den Karrieretrip geführt wird. Die Frau, wie sollte es anders sein, verliebt sich in ihren Burschen, doch er verstößt sie, sobald die Massen ihn umarmen.

In den Nebenrollen wirkten Männer als Statisten mit, die sonst auf dem Platz die Hauptrollen spielten: Ion Tiriac, Ilie Nastase, John McEnroe, die enfant terribles des Tennissports. Trotz der Stars kam wenig Geld in die Kasse: "Tennisfilme", so Cook, "haben's schwer." Im Mai will Columbia gleichwohl mit den Dreharbeiten zu einem Tennis-Drama beginnen. In der Hauptrolle: Reese Witherspoon, der Star aus "Legally Blonde". Über Jahre schon studieren Hollywood-Produzenten auch ein Werk des Autors Mike Meshaw: Ein Afrikaner macht, mit einem von mythischen Kräften gesteuerten, aus Menschenknochen gebastelten, Tennisschläger Weltkarriere.

Tennis-As Sampras: Spielplatz bei Santa Barbara
EPA/DPA

Tennis-As Sampras: Spielplatz bei Santa Barbara

Das milde Klima und die hinter den Mauern der Prunk-Villen gesicherte Anonymität hat schon so manchen Tennisprofi an die Pazifikküste gelockt: Pete Sampras etwa erwarb schon 1998 im Benedict Canyon eine Immobilie mit Tennisplatz. Nach seiner Eheschließung mit der Hollywood-Schönen Bridgette Wilson hat er sich nun in einer acht Millionen Dollar teuren Villa in Beverly Hills niedergelassen - natürlich ebenfalls mit Spielplatz. Jimmy Connors kaufte sich in der Nähe von Santa Barbara ein Häuschen. Pam Shriver, ehedem eine der besten Doppelspielerinnen der Welt, die mit dem frühen James Bond (Serien-) Star George Lazenby liiert ist, hat sich zwar unlängst in Pacific Palisades (ohne Tennisplatz) eine Immobilie zugelegt, aber nun will sie offenbar heiraten und sich mit ihrem Golf-verbundenen George in der Wüste bei Palm Springs ansiedeln.

  • 1. Teil: Tennisschläger und Millionen
  • 2. Teil


© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.