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17. Mai 2015, 11:36 Uhr

Private Handybilder

"Ich fühle mich wie ein japanischer Tourist"

Ein Interview von

Viele von uns haben unzählige Fotos auf dem Handy gespeichert - und eines davon ist das wichtigste. Für "Eins aus tausend" spricht Anne Backhaus mit Menschen über ihr Lieblingsbild. Dieses Mal: Hundreds-Sängerin Eva Milner.

SPIEGEL ONLINE: Frau Milner, was zeigt Ihr liebstes Bild?

Milner: Einen Ort, an dem ich zur Ruhe kommen kann.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Ihr Zuhause?

Milner: Mein Bruder Philipp wohnt da schon eine Weile mit seiner Familie. Ich habe einen Großteil des vergangenen Jahres dort verbracht, im September dann meine Hamburger Wohnung untervermietet und bin vorübergehend eingezogen.

SPIEGEL ONLINE: Das sieht sehr ländlich aus.

Milner: Ist es auch, ein alter Hof im Wendland. Da ziehen viele Hamburger hin, wenn sie das Land mögen, aber trotzdem nicht ganz weit weg wollen. Einige befreundete Musiker von mir haben inzwischen die Stadt verlassen.

SPIEGEL ONLINE: Um in Ruhe arbeiten zu können?

Milner: Nicht nur. Wissen Sie, ich liebe Hamburg und habe dort viele Jahre gelebt. Nur wenn man nicht viel Geld verdient, wird es einem da wirklich nicht leicht gemacht. Viele Künstler leiden darunter.

SPIEGEL ONLINE: Bereuen Sie Ihre Entscheidung manchmal?

Milner: Die Ruhe tut mir auf jeden Fall gut, auf Tour ist ja immer viel los. Und eigentlich bin ich auch ein Landei. Trotzdem fehlt mir die lebendige Kulturszene. Wir haben eben keine Konzerte und Ausstellungen hier, aber dafür unser eigenes Studio.

SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten also direkt auf dem Hof?

Milner: Wir können dort experimentieren und aufnehmen. Neben dem rechten Bildrand des Fotos steht eine Birke, die sieht man leider nicht, aber unter der schreibe ich immer.

SPIEGEL ONLINE: Das ist wahrscheinlich ein guter Ausgleich zum Tourleben.

Milner: 2014 waren wir allein auf 21 Festivals und sogar eine Woche in New York, dazu kamen noch einige andere Konzerte. Manchmal fühle ich mich wie ein japanischer Tourist: Überall durchhetzen und nur kurz für ein Bild anhalten.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen also regelmäßig Fotos?

Milner: Ich mache jeden Tag mindestens ein Bild. Für mich ist das eine Art Tagebuch. Ich nutze die Bilder als Erinnerung, wann ich wo war. Ich nehme mir auch immer vor, sie zu sortieren, mache das aber nie.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist Ihnen das Bild von dem Hof so wertvoll?

Milner: Ich schaue mir das Foto oft an, wenn ich unterwegs bin. Natürlich auch Bilder von Menschen, die ich vermisse. Am meisten aber diesen Augustabend im Wendland, als die Sonne so schön unterging. Das erinnert mich daran, dass man gar nicht viel wollen und machen muss. Spüren und innehalten ist eigentlich wichtiger.


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