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11. Oktober 2008, 23:36 Uhr

Eklat bei Gala

Reich-Ranicki lehnt Deutschen Fernsehpreis ab

Von , Köln

Überraschender Auftritt: Marcel Reich-Ranicki hat sich geweigert, den Deutschen Fernsehpreis entgegenzunehmen. Er habe nicht gewusst, was ihn erwarte, so der Literaturkritiker und bezeichnete das Gesehene als "Blödsinn". Moderator Thomas Gottschalk blieb verwirrt zurück.

Marcel Reich-Ranicki hat den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk abgelehnt, der ihm am Samstag in Köln für das "Literarische Quartett" verliehen werden sollte. Der 88-Jährige sagte: "Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste." Reich-Ranicki ließ sich aus über den "Blödsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen haben."

Vielleicht hätte er dies früher sagen müssen, räumte Reich-Ranicki ein, aber: "Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet." Der Literaturkritiker war der einzige Preisträger, der vor der Verleihung bekannt gegeben worden war.

Thomas Gottschalk, der die Gala moderierte, versuchte Reich-Ranicki zu besänftigen: Er bot Reich-Ranicki an, in einer einstündigen Sendung gemeinsam mit den Senderchefs von ARD, ZDF und RTL über die Qualität im Programm zu diskutieren. Er akzeptiere das, wenn er auch skeptisch sei, dass diese Sendung zustande komme, erwiderte Reich-Ranicki. Das ZDF erklärte am Sonntag: "Ein Sendungskonzept soll bei einer Zusage des Kritikers bald erarbeitet werden."

Den Fernsehpreis, ein gläserner Obelisk, nahm Reich-Ranicki nicht in die Hand. Gottschalk musste ihn der TV-Produzentin Katharina Trebitsch übergeben, die Reich-Ranickis Biografie derzeit für die ARD verfilmt. Danach ließ sich Reich-Ranicki gleich nach Hause fahren. Schon zu Beginn seines Auftritts hatte er immer wieder genervt auf die Uhr geschaut.

Nachdem der Kritiker das Kölner Coloneum durch den Hinterausgang verlassen hatte, war auch Thomas Gottschalk kurz verwirrt: "Ich gehe mal kurz hinter die Bühne und trinke ein bisschen Hustensaft." Die Aufzeichung des 10. Deutschen Fernsehpreises wird am Sonntagabend im ZDF ausgestrahlt.

ZDF-Intendant Markus Schächter nannte den Auftritt Reich-Ranickis in der Nacht zu Sonntag eine "Sternstunde" des Fernsehens, der ehemalige RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma bezeichnete das Geschehen als "pure Comedy".

Reich-Ranickis Ehefrau Teofila sagte der Agentur AP auf Anfrage, ihr Mann habe den Preis letztlich doch mitgenommen.

Mit Material von AP und dpa

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