Eklat beim Kunstfest Weimar Kulturpolitiker muss Rede abbrechen

Das Kunstfest Weimar ist am Freitag mit einem Eklat gestartet. Mit "Aufhören"-Rufen zwangen Zuhörer des Konzerts "Gedenken Buchenwald" den Abteilungsleiter beim Kulturstaatsminister, Hermann Schäfer, zum Abbruch seines Grußwortes.

Es sei "bedauerlich und unverständlich", dass Schäfer ausschließlich über Flucht und Vertreibung der Deutschen gesprochen habe und mit keinem Wort auf die Opfer des KZ Buchenwald eingegangen sei, sagte Intendantin Nike Wagner am Samstag. Schäfer habe das Thema "auf grausame Weise verfehlt".

"Er kann hier nicht sprechen, als sei er bei einer Veranstaltung von Vertriebenenverbänden", sagte Wagner. Der Historiker Schäfer ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" vom Bund der Vertriebenen. Er war Präsident der Bonner Stiftung "Haus der Geschichte der BRD" und verantwortlich für die Gestaltung der dortigen Ausstellung. Seit Februar leitet der die Abteilung Kultur und Medien bei Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

Entsetzt über Schäfers Rede war auch der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhardt Knigge. Er sagte der "Thüringischen Landeszeitung": "Das war keine Buchenwald-Gedächtnisrede." Der Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Stephan Märki, erklärte: "Ich bin sprachlos. Das Konzert war großartig - aber so etwas darf nicht passieren." Weimars neuer Oberbürgermeister Stephan Wolf (SPD) sprach von einer "Schande".

Im Sender MDR 1 Radio Thüringen entschuldigte sich Schäfer für den Eklat. Er habe dies nicht provozieren wollen. Nike Wager habe ihn ausdrücklich darum gebeten, bei der Eröffnung über das Thema Flucht und Vertreibung zu sprechen. Bei Rückfragen beim Kunstfest sei ihm versichert worden, dass es bei der Veranstaltung "Gedenken Buchenwald" nicht vordergründig um Buchenwald gehe, sondern allgemein um Erinnerungskultur. "Bei dem Rahmenprogramm zur Eröffnung der Weimarer Festspiele habe ich mich mit meiner Rede thematisch genau an die Vorgaben der Leiterin der Festspiele, Nike Wagner, gehalten", betonte er. Sollte dies zu "Missverständnissen" oder " Unzufriedenheit beim Publikum" geführt haben, bedaure er dies, habe es "allerdings nicht zu vertreten". Er verweis auf das Einladungsschreiben, in dem er um "Reflexionen" zu "Flucht und Vertreibung" gebeten worden sei.

Schon "der gesunde Menschenverstand" hätte ihm aber sagen müssen, entgegnete Wagner, dass er bei einer Veranstaltung mit einem solchen Titel auch auf Buchenwald eingehen muss. Das Publikum sei zwar "unartig" gewesen, erklärte die Intendantin, dennoch habe sie Verständnis für die heftige Reaktion.

hda/dpa

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