Identität aufgedeckt Das Ende von Elena Ferrante

Ihre Neapel-Bücher erregen weltweit Aufsehen, die Person hinter dem Pseudonym Elena Ferrante blieb jedoch stets ein Rätsel. Nun haben Journalisten die Identität der Schriftstellerin aufgedeckt.
Stadtzentrum von Neapel

Stadtzentrum von Neapel

Foto: MARIO LAPORTA/ AFP

Ihr neuester Roman ist das meistdiskutierte Buch der Saison, jetzt macht Elena Ferrante ungewollt Schlagzeilen: Ein internationales Team von Journalisten aus vier Ländern hat nach eigenen Angaben die Identität hinter dem Pseudonym der Schriftstellerin ermittelt. Demnach soll sie Anita Raja heißen.

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die an den Recherchen beteiligt war, schreibt, handele es sich bei Raja um eine 1953 geborene Frau aus Rom. Ihre deutsche Mutter soll demnach während der NS-Zeit vor dem Holocaust nach Italien geflohen sein und habe später einen städtischen Angestellten aus Neapel geheiratet.

Die Recherche habe dem Zeitungsbericht zufolge mehrere Monate gedauert und stützt sich auf bislang nicht zugängliche Dokumente. Der Verlag und die Autorin selbst wollten dazu keine Angaben machen. Beteiligt waren Journalisten der "FAS", der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore", der amerikanischen "New York Review of Books" sowie der französischen Investigativ-Webseite "Mediapart".

"Ich würde einfach aufhören zu publizieren"

Ferrante ist einer der größten literarischen Hypes überhaupt - ohne dass je ein Bild der Schriftstellerin publik geworden war. Sie selbst bezeichnet sich als Tochter einer Schneiderin aus dem süditalienischen Neapel. Ihr Debütroman "Lästige Liebe" erschien 1992, seitdem entwickelte sich das Werk der Unbekannten zur internationalen Sensation.

Dem SPIEGEL hatte sie zuletzt gesagt, sie wolle ihre Identität nicht preisgeben - fürchte sich vor einer Aufdeckung ihres Pseudonyms aber auch nicht: "Ich würde einfach aufhören zu publizieren." Angst vor Investigavjournalisten habe sie daher nicht: "Ich wünsche mir, dass ich nie mit Menschen zu tun habe, die Zeit und Mühe an ein derart sinnloses Unterfangen verschwenden."

"Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich zu einer literarischen Identität mehr Vertrauen als zu einer standesamtlichen", sagte sie weiter. Sie sehe die Frage nach Identität kritisch, zumal die Wissenschaft derzeit etwa auch die Frage nach dem Geschlecht überdenke. "Ich heiße Elena, ich bin eine Frau, und ich bin in Neapel geboren."

Erst vor Kurzem erschien das vierte Neapel-Buch des Zyklus' "L'amica geniale" der gefeierten Autorin (lesen Sie hier vier Kritiken der Kulturredaktion von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE).

mxw
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