Else Buschheuer "Der WDR wird zahlen"

Die Schriftstellerin ("Ruf! Mich! An!") und Ex-"Kulturweltspiegel"-Moderatorin Else Buschheuer, 35, über ihren Rausschmiss durch den WDR und die folgende arbeitsrechtliche Auseinandersetzung


Moderatorin Buschheuer: "Extrem unterschiedliche Vorstellungen"
WDR

Moderatorin Buschheuer: "Extrem unterschiedliche Vorstellungen"

SPIEGEL:

Frau Buschheuer, noch im Sommer wurden Sie vom WDR als neue Moderatorin mit "Esprit und Kompetenz" präsentiert ­ warum ist nun alles vorbei?

Buschheuer: Mit Esprit und Kompetenz ist es nicht vorbei. Aber mit dem WDR und mir. Er will die Scheidung.

SPIEGEL: Wieso haben Sie den monatlichen WDR-"Kulturweltspiegel" nur ein einziges Mal moderiert?

Buschheuer: Während der WDR im Tonfall eines enttäuschten Liebhabers behauptet, dass ich die folgenden Sendungen geschwänzt hätte, kann ich belegen, dass ich dreimal vom WDR ausgeladen wurde. Im September bot mir die Redaktion an, zu Hause zu bleiben. Ich lebte damals in New York, anderthalb Kilometer vom World Trade Center entfernt. Es ging mir nicht gut, also nahm ich das Angebot an. Im Oktober sollte ich "erst mal wieder richtig auf den Damm" kommen. Da war ich wieder in Berlin, noch krankgeschrieben, wäre aber trotzdem zu der Moderation gekommen. Als die Novembersendung nahte, war ich wieder gesund und wieder in Berlin. Aber man sagte mir per Telefon: "Wir lassen das mal!" Klare Sache. Der WDR hat meine Krankheit dazu genutzt, mich zu feuern.

SPIEGEL: Und Ihr Vertrag?

Buschheuer: Ist im Juni mit dem WDR-Kulturchef Helfried Spitra persönlich geschlossen worden. Für zwei Jahre und zwanzig Sendungen. Aus diesem Grund habe ich zwei wöchentliche Kolumnen abgesagt, für "Stern" und "Tagesspiegel" und zwei andere TV-Sendungen.

SPIEGEL: Wann kam der Ärger?

Buschheuer: Sagen wir mal, es gab beim ersten "Kulturweltspiegel" extrem unterschiedliche Vorstellungen. Die Redaktion sah mich als prominente Aufsagepuppe. Ich aber wollte die Beiträge kommentieren und ohne Teleprompter und alberne Hans-Meiser-Kärtchen arbeiten.

SPIEGEL: Beim WDR klagt man, Sie hätten eine ungewöhnliche Art zu kommunizieren.

Buschheuer: Guck an! Ich finde, der WDR hat eine ungewöhnliche Art zu kommunizieren. Er spricht mit mir via dpa.

SPIEGEL: Und nun will Ihr Anwalt gegen den WDR arbeitsrechtlich vorgehen?

Buschheuer: Allerdings. Ich habe das Gefühl, dass der WDR an dieser Hire-andfire-Geschichte medienmäßig partizipieren will. Der "Kulturweltspiegel", eine praktisch unbekannte Sendung, ist nun in aller Munde. Für den mir entstandenen Schaden wird der WDR bezahlen.



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