Expressionist und Nazi Neue Belege für Emil Noldes Hitler-Verehrung gefunden

Er glaube an den "großen deutschen Führer Adolf Hitler": Bisher unbekannte Dokumente erhärten den Verdacht, dass Emil Nolde den Nazis nahestand. Auch antisemitische Äußerungen des berühmten Malers finden sich offenbar in den Papieren.


Hamburg - Emil Nolde ist einer der populärsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts. Seine Ölgemälde, Aquarelle und Grafiken hängen in den bedeutendsten Galerien. Nun erhärten neu aufgetauchte Dokumente aus dem Jahr 1938 den Verdacht einer Nähe des Expressionisten zum Nationalsozialismus zur Zeit des "Dritten Reiches". Das berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit".

Laut "Zeit" belegen die Dokumente aus einem Schweizer Nachlass, dass der Künstler nicht nur ein überzeugter Antisemit, sondern auch ein glühender Nazi und Bewunderer Adolf Hitlers war. Nolde bekenne sich darin zum "Glauben" an den "großen deutschen Führer Adolf Hitler" und erinnere an seine schon "um 1910 geführten Kulturkämpfe gegen die herrschende Überfremdung in allem Künstlerischen und gegen die alles beherrschende jüdische Macht".

Zudem gehe aus den Papieren hervor, dass Nolde die Ablehnung durch das NS-Regime - Nolde erhielt im "Dritten Reich" Malverbot - als Missverständnis und bittere Ungerechtigkeit empfunden habe.

Das Verhältnis des Künstlers zum "Dritten Reich" ist seit langem umstritten. Zwar wurden seine Werke, nachdem sie zuerst von Teilen der NS-Führung geschätzt wurden, von den Nazis als "entartete Kunst" aus den Museen entfernt. Andererseits sind diverse antisemitische Äußerungen des Malers überliefert. Nun legen die bislang unbekannten Dokumente erneut eine offenbar nationalsozialistische und antisemitische Gesinnung Noldes nahe.

Der Expressionist Emil Nolde war vor allem bekannt für seine Aquarelltechnik und den Einsatz von kräftigen Farben. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen und war 1955 kurz vor seinem Tod Teilnehmer der ersten Documenta in Kassel. Schriftsteller Siegfried Lenz setzte Nolde in seinem Bestseller "Deutschstunde" ein Denkmal.

seh



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