"Emma"-Karikaturistin Franziska Becker Kontroverse um Preis für Cartoons

Der Journalistinnenbund will die Karikaturistin Franziska Becker für ihr Lebenswerk ehren. Es gibt Protest, ihre Zeichnungen seien rassistisch. Das sei eine Diffamationskampagne, sagt Alice Schwarzer.

Karikaturistin Franziska Becker
Oliver Berg/ DPA

Karikaturistin Franziska Becker


Die Kritik, die auf Twitter gegen eine Preisverleihung an die Karikaturistin Franziska Becker geäußert wird, sei eine Diffamationskampagne, schreibt "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer in einem Artikel. Deren Ziel sei Zensur.

Anlass des Streits ist die Auszeichnung der Cartoonistin mit der Hedwig-Dohm-Urkunde, mit der Journalistinnenbund ihr Lebenswerk ehren will. Becker erhalte die Urkunde, weil sie das Mit-, Für- und Gegeneinander von Frauen und Männern genüsslich in Szene setze, begründete der Verband.

Auf Twitter sehen das zahlreiche Nutzer anders: Die Cartoons der Zeichnerin - vor allem die Darstellung von Kopftuch tragenden Frauen - seien islamfeindlich und rassistisch, lautet die vielfach geäußerte Kritik in dem sozialen Netzwerk.

Mit dem Preis werde eine Arbeit ausgezeichnet, die frauenfeindlich sei und Gewalt gegen Frauen fördere, schreibt etwa die Autorin Sibel Schick, die sich als eine der Ersten kritisch zur Verleihung geäußert hatte. "Da wird einem ja schwindelig, so offen rassistisch insbesondere gegenüber kopftuchtragenden Frauen sind die", twittert die Chefredakteurin des Onlinemagazins "Edition F", Teresa Bücker. Auch Verleger Jakob Augstein schaltete sich in die Debatte ein:

Becker habe den Preis für ihr Lebenswerk mehr als verdient, schreibt Schwarzer. "Es ist die Aufgabe der Satire, querzudenken, gegenzuhalten, zu irritieren und so die Augen zu öffnen." Genau das tue Becker. Sie habe auch viele Satiren über reaktionäres Christentum gezeichnet und seit 1991 Cartoons über Scharia-Gläubige und fundamentalistische Tendenzen im Islam veröffentlicht - dagegen habe es noch nie einen Protest gegeben, bis jetzt. "Die Stunde der Vernebelung und Ideologisierung, ja der Meinungsverbote und Zensur hat geschlagen."

Der Journalistinnenbund will an dem Votum der Preisjury für Becker festhalten. Die Preisverleihung werde am Samstag wie geplant in Berlin stattfinden, teilte die Journalistinnenbund-Vorsitzende, Rebecca Beerheide, gestern mit. Auf Twitter war allerdings noch zu lesen:

Die in Mannheim geborene Becker (69) lebt in Köln. Nach Angaben des Journalistinnenbundes gestaltete sie schon als Studentin ab 1969 Protest-Plakate, seit 1977 veröffentlichte sie regelmäßig in der feministischen Frauenzeitschrift "Emma", danach unter anderem im Satiremagazin "Titanic" und im "Stern". 2012 wurde Becker mit dem Satirepreis Göttinger Elch ausgezeichnet.

evh/dpa

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