Emmy-Verleihung Echtzeit-Thriller "24" ausgezeichnet

Bei der Emmy-Verleihung wurde "24 – Jede Sekunde zählt" als beste Fernsehserie ausgezeichnet. Besonders hofiert wurden die Träger des bedeutendsten US-Fernsehpreises nicht gerade: Gewinner, die nach wenigen Dankessätzen nicht die Bühne verließen, wurden mit Musik übertönt.


Los Angeles – "24"-Protagonist Kiefer Sutherland, 39, wurde bei der Emmy-Vergabe in Los Angeles als bester Hauptdarsteller geehrt. Der große Erfolg der Serie über den Terroristenfahnder Jack Bauer beruht zum Teil darauf, dass die Handlung in Echtzeit abläuft: Nach einer 60-minütigen Folge ist auch in der Geschichte erst eine Stunde vergangen, nach allen 24 Folgen einer Staffel ein Tag. In Deutschland läuft "24" auf RTL 2.

"24"-Star Sutherland: Bloß keinen Sauerstoff verschwenden
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"24"-Star Sutherland: Bloß keinen Sauerstoff verschwenden

In der Kategorie Comedy siegte "The Office", die US-Version einer britischen Serie über das Leben in einem Großraumbüro. Gleich mehrere Preise unter anderem für die beste Miniserie, die beste Hauptdarstellerin, beste Regie und das beste Drehbuch in dieser Kategorie sammelte die britische Produktion "Elizabeth I." ein. Im Mittelpunkt der aufwendigen Produktion des Senders Channel 4 steht die romantische Beziehung der Königin zum Grafen von Essex, den sie 1601 schließlich wegen Hochverrats hinrichten ließ. Überraschend gut schnitten bereits ausgelaufene Serien ab. Der Dauerbrenner "The West Wing" erhielt ebenso einen Preis wie die Sitcom "Will & Grace" und die TV-Reihe "Huff".

Die Dankesreden der Preisträger wurden diesmal sehr kurz gehalten. Sobald die Geehrten nach einigen Sätzen nicht freiwillig die Bühne verließen, wurde so laut Musik gespielt, dass sie kaum noch zu verstehen waren. Außerdem führte ihnen der Moderator Conan O'Brien einen Mann in einer Kabine vor und erläuterte dazu, der Herr habe noch genau Sauerstoff für die Dauer der Sendung: Werde aber nur um eine Minute überzogen, müsse er ersticken.

Außerdem ermahnte O'Brien alle Preisträger, sich die üblichen Dankesworte an ihre Eltern zu sparen. Man nehme ihnen sowieso nicht ab, dass sie eine glückliche Kindheit verlebt hätten - denn dann wären sie jetzt nicht im Show-Business. Lange Dankesreden gelten als Quotenkiller bei den zahlreichen Preisgalas im US-Fernsehen. Spott musste sich unter anderem Mel Gibson gefallen lassen, der kürzlich durch antisemitische Äußerungen unangenehm aufgefallen war. "Selbst Kinostars haben jetzt ihre eigenen Fernsehshows", witzelte O'Brien. "Mel Gibson hat eine neue Show auf al-Dschasira."

Doch die Emmy-Show musste auch selbst viel Kritik einstecken. So war eine der nominierten Schauspielerinnen nur ganze 15 Sekunden im Bild, was Zweifel an der Kompetenz der US-Fernsehakademie aufkommen ließ. Außerdem bemängelten US-Medien, das dreistündige Ausreichen der Preise sei unerträglich langweilig. Der Sender ABC soll so verärgert darüber gewesen sein, dass zwei seiner erfolgreichsten Serien nicht nominiert wurden, dass er zeitgleich zu der Emmy-Gala auf NBC den Blockbuster "Fluch der Karibik" ins Programm hob.

asc/dpa



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