Endspurt Endspurt: Auf die Bären, fertig, los!

Deutschland, China und die USA sind die Favoriten um einen Goldenen Bären. "The Million Dollar Hotel" von Wim Wenders steht schon lange nicht mehr alleine auf der Liste ...


Objekt der Begierde
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Objekt der Begierde

Berlin - Nach einer eher schwachen ersten Festivalwoche hat das Niveau des Wettbewerbs der 50. Internationalen Berliner Filmfestspiele in den vergangenen Tagen stark angezogen. Lange galt Wim Wenders' zur Eröffnung gezeigter romantisch-ironischer Thriller "The Million Dollar Hotel" als einsamer Preis-Kandidat. Zum Leidwesen der aus aller Welt angereisten Regisseure sorgten zunächst nämlich nicht die Filme, sondern prominente Schauspieler wie Leonardo DiCaprio, Gwyneth Paltrow und George Clooney für Aufsehen im neuen Filmzentrum am Potsdamer Platz.

Vor der Preisverleihung am Sonntag gilt jetzt jedoch unter anderem Zhang Yimous neuer Film "The Road Home" (Der Weg nach Hause) als preisverdächtig. Der chinesische Kultregisseur, der mit "Das rote Kornfeld" bereits 1988 einen Goldenen Bären gewann, begeisterte die Besucher mit der gefühlvollen Schilderung einer großen Liebe. Gleich drei Berlinale-Lieblinge kommen aus den USA. Viel Beifall bekam Norman Jewisons gesellschaftskritischer Boxer-Film "The Hurricane" mit Denzel Washington in der Hauptrolle.

Auch der furiose, überaus kunstvoll in Szene gesetzte Episodenfilm "Magnolia" von Paul Thomas Anderson mit Hollywoodstar Tom Cruise als Sex-Guru kam beim Publikum sehr gut an. Als exzellenter Unterhaltungsfilm hat der von Anthony Minghella mit Gespür für Spannung inszenierte Psychothriller "Der talentierte Mr. Ripley" nach dem Roman von Patricia Highsmith Chancen auf eine Auszeichnung.

Eher enttäuscht waren viele Kritiker von Volker Schlöndorffs Wettbewerbsbeitrag, dem RAF-Drama "Die Stille nach dem Schuss". Auch der Beziehungsfilm des Berliner Regisseurs Rudolf Thome, "Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen", konnte nicht restlos überzeugen. François Ozon aus Frankreich fand dagegen außerordentlichen Zuspruch mit seinem Film "Gouttes D'Eau Sur Pierres Brulantes" (Tropfen auf heiße Steine), der stilsicheren, pointierten Adaption eines Beziehungsdramas von dem zur Entstehungszeit des Stückes erst 19-jährigen Rainer Werner Fassbinder: Es geht um die Liebesgeschichte zwischen einem 50-jährigen Mann und einem Jüngling.

Als Favoriten für einen Darsteller-Preis werden Denzel Washington und Tom Cruise hoch gehandelt. Eine Auszeichnung als beste weibliche Schauspielerin hätte unter anderen die Französin Sandrine Kiberlain für ihre facettenreiche Interpretation einer psychisch gestörten Frau in "Love Me" (Regie Laetitia Masson) verdient. Im Gespräch ist auch die Britin Charlotte Rampling für ihr verhaltenes Porträt einer von ihrem Ex-Mann bedrängten Frau in "Signs And Wonders" (Zeichen und Wunder) in der Regie von Jonathan Nossiter.

Noch aber sind Überraschungen möglich. Bis zur Preisverleihung stehen noch Wettbewerbsbeiträge aus der Türkei, den USA und Frankreich auf dem Programm. Mit großer Spannung wurden Milos Formans "Man On The Moon" (Der Mondmann) mit Jim Carrey in der Hauptrolle und Oliver Stones "Any Given Sunday" (An jedem verdammten Sonntag) mit Al Pacino erwartet.



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