Engelke abgesetzt Sat.1 plant keine neue Late-Show

Wunden lecken bei Sat.1: Nach der Absetzung der quotenschwachen Anke Engelke-Show will der Berliner Sender vorerst keine neue Late-Night-Show ins Programm nehmen. Prominente übten Kritik an der Entscheidung,


Hamburg - "Wir denken momentan über neue Late-Night-Shows nicht nach", sagte eine Sat.1-Sprecherin am Mittwoch. Gestern hatte Sat.1 bekannt gegeben, sich nach nur fünf Monaten wegen der enttäuschenden Quotenentwicklung mit zuletzt 650.000 Zuschauern pro Ausgabe von Late-Night-Talkerin Anke Engelke zu verabschieden. Nach dem 21. Oktober will der Sender auf Engelkes Sendeplatz um 23.15 Uhr zunächst eigene Serien wie "HeliCops - Einsatz über Berlin" zeigen.

Sat.1 wies darauf hin, dass der Abschied von der Late Night damit nicht für alle Zeiten festgeschrieben sei. Nicht auszuschließen sei, dass in mehreren Jahren die Karten neu gemischt würden.

Mittlerweile wurde Kritik am Ende von Engelkes Show laut. Bazon Brock, Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Universität Wuppertal, bezeichnete den Vorgang im DeutschlandRadio als "Fernsehtragödie" und ging mit Sat.1 hart ins Gericht: "Da wird ein ungeheuer begabter Mensch durch ein Format, durch äußere Zwänge, die mit der Sache, die er vertritt, gar nichts zu tun haben, gnadenlos auf Format geschnitten", sagte Brock. Er forderte, man hätte Engelke mehr Zeit geben müssen. Ihr Vorgänger Harald Schmidt habe das große Glück gehabt, innerhalb des Senders gefördert worden zu sein.

Komiker Otto Waalkes, 56, stellte sich vor seine Kollegin. "Man könnte fast glauben, die Deutschen mögen keine erfolgreichen Frauen", sagte er in einem Gespräch mit der Fernsehzeitschrift "TVdirekt". "Harald Schmidt hatte auch zeitweise unterirdische Quoten. Haben das alle vergessen?" Der Ostfriese habe regelmäßig Anke Engelkes Late Night Show gesehen und fand das Konzept der Gastgeberin "ausbaufähig". "Am Fernsehen zu nörgeln, ist irgendwie widersinnig", sagte Waalkes. "Wir schauen doch freiwillig."

Am Dienstagabend stieg Engelkes Quote geringfügig: 720.000 Zuschauer (Marktanteil: 6,9 Prozent) sahen ihre Show. Zum Vergleich: Sandra Maischbergers Talk in der ARD interessierte in etwa zur selben Zeit 1,06 Millionen Menschen (10,0 Prozent), Johannes B. Kerners ZDF-Talk ab 22.45 Uhr sahen 1,49 Millionen (11,7 Prozent) Menschen.



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