Erfolgreiche Land-Magazine Hilfe, die Heuballen-Hefte kommen!

Von Auflagenmisere keine Spur: Magazine, die das ländliche Idyll zelebrieren, erleben einen Boom am Kiosk. Jetzt überschwemmen Deutschlands Verlage die Republik mit Zeitschriften für den rustikalen Lifestyle. Warum sind sie so erfolgreich?

Wintergrüner Thymian, Gamsböcke und knusprige Schweinsbraten: So heißen die Themen der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "LandLust". Themen, die die Deutschen ganz offensichtlich brennend interessieren. Seit fünf Jahren klettert die Auflage - und ein Ende ist nicht abzusehen: In hübscher Regelmäßigkeit meldet der Landwirtschaftsverlag aus Münster neue Rekorde für sein Erfolgsmagazin. Mittlerweile werden von einer Ausgabe 750.000 Exemplare verkauft, mehr als von "Focus", "Bunte" oder "Gala".

Nichts scheint den Verkaufserfolg stoppen zu können. Und das, obwohl mittlerweile ein Dutzend Zeitschriften am Kiosk liegen, die auch auf der Erfolgswelle surfen wollen: Klone, Kopien und leichte Variationen des Landthemas. Die Sehnsucht am Zeitschriftenregal nach Erholung, echten Erlebnissen, Natur und Natürlichkeit scheint grenzenlos zu sein.

Die Landlust-Spaltprodukte, die naheliegende Titel wie "Mein schönes Land" und "LandIdee" tragen, verkaufen sich zwischen 70.000 und 220.00 gedruckten Exemplaren. Meist haben sie etwas dickeres Papier und sind mit 23 mal 30 Zentimetern einen Tick größer als die meisten anderen Zeitschriften, meist erscheinen sie alle zwei Monate, meist kosten sie um die vier Euro. Und weil sie meist die aktuelle Jahreszeit zum Thema haben, sehen sie sich auch noch zum Verwechseln ähnlich: Bezopfte Mädels in Biostrickmode, Kinder im Herbstlaub und jede Menge rustikal drapierte Erdäpfel, Kastanien und Blumengebinde.

Fotostrecke

Zeitschriften-Boom: Ein Land im Erntedank-Fieber

Foto: Landlust

Leserinnen entdecken "feine Nuancen"

Ein Land im Erntedank-Fieber. Zumindest am Kiosk. Denn auch die Nachzügler konnten dem Siegeszug des Originals "LandLust" bisher wenig anhaben. Zwar ist es auf den ersten Blick schwer auszumachen, aber die Macher bestehen darauf, dass sich die vielen Land-Mags voneinander unterscheiden. "Der Unterschied liegt in der Gewichtung der Themen und natürlich auch in der Aufbereitung", sagt Claus-Dieter Grabner, der verantwortlich für die "LandIdee" der WAZ-Gruppe ist, die seit Sommer 2009 auf dem Markt ist. "Für diese teilweise feinen Nuancen sind die Leserinnen sehr sensibel."

Neuester Zugang zum LiebeLandHeimatLust-Segment: "Landspiegel". Das Heft aus dem Fooxx-Verlag in Bad Honnef ist Ende Oktober zum ersten Mal erschienen und holt eine in der Wirtschaftskrise fast in Vergessenheit gerate Zielgruppe aus der Versenkung: Die Lohas, jene sagenumwobenen Großstädter mit einem Hang zu einem natürlichen und nachhaltigen Lebensstil - und dickem Portemonnaie. Der Burda-Verlag hatte vor zwei Jahren mit "Ivy" eine auf dieses Publikum zugeschnittene Kaufbibel nach zwei Exemplaren wieder eingemottet. Mit dem Auflagenplus der Land-Zeitschriften im Rücken sind die Lohas nun zurück - im Karohemd zwischen Heuballen.

Oder wie wäre es mit "Landleben" auf Skandinavisch? Der Verlag LRF Media lässt in Stockholm jetzt auch eine deutsche Ausgabe der in Schweden seit Jahren erfolgreichen Zeitschrift "Lantliv" produzieren. Nachdem das Modell "LandLust" in mehrfacher Ausfertigung erhältlich ist, wird das Feld nun sukzessive erweitert. Wenn schon "Mein schönes Land", warum nicht auch "Meine Landküche"? Die Line-Extension des Burda-Titels liegt schon am Kiosk. Auch bei der WAZ-Gruppe glaubt man, dass "LandIdee" über Markenpotentiale verfügt, "die evolutionär für neue Ansätze genutzt werden können".

"Land & Liebe" oder gleich "...ins Grüne"

Selbst das Fernsehen ist auf dem Landtrip: Dort hat ländliche Idylle zwar schon länger ihren festen Platz in Formaten wie der "Schwarzwaldklinik". Doch die Kuppelshow "Bauer sucht Frau" beschert dem Privatsender RTL seit 2005 hohe Einschaltquoten, eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie das "LandLust"-Magazin. Auch hier wird kopiert: Mit "Land & Liebe" hat der NDR eine ganz ähnliche Sendung im Programm, die allerdings behäbiger daherkommt als das Original.

Sat.1 übersetzt dann gleich das Zeitschriftengenre in eine eigene Sendung: Seit Oktober dieses Jahres moderiert Miriam Pielhau "...ins Grüne", die TV-gewordene "LandLust". Dicke Kürbisse, verrückte Marktschreier und Traumschlösser auf dem Land sind Themen der vergangenen Sendung. Wer die verpasst hat und nicht im Internet ansehen will, kann ebenso gut ins Zeitschriftenregal greifen.

Oder mit dem öffentlichen Nahverkehr die Stadt verlassen und zu einem herbstlichen Waldspaziergang aufbrechen.

Mehr lesen über