Hitlergruß-Performance Staatsanwalt stellt Ermittlungen gegen Jonathan Meese ein

Darf man Hakenkreuz und Hitlergruß in einer Performance zeigen? Die Mannheimer Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Künstler Jonathan Meese eingestellt - die Verwendung von Nazi-Symbolen sei in diesem Fall von der Kunstfreiheit gedeckt.

Jonathan Meese auf der Bühne des Nationaltheaters Mannheim: "Generaltanz den Erzschiller"
DPA

Jonathan Meese auf der Bühne des Nationaltheaters Mannheim: "Generaltanz den Erzschiller"


Mannheim/Hamburg - Die Verwendung von Nazi-Symbolen durch den Künstler Jonathan Meese bleibt auch in Mannheim ohne juristische Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Jonathan Meeses Theaterperformance während der Internationalen Schillertage eingestellt. Die Grenzen der im Grundgesetz garantierten Kunstfreiheit seien nicht überschritten worden, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Meese hatte im Juni 2013 bei der Aufführung im Mannheimer Nationaltheater für Aufregung gesorgt, weil er auf der Bühne mehrmals den Hitlergruß gezeigt hatte. In dem Stück mit dem Titel "Generaltanz den Erzschiller" hatte der Berliner Künstler außerdem eine Alien-Puppe mit einem Hakenkreuz beschmiert.

Meese habe den Hitlergruß mit der stereotypen Verwendung "in den Bereich des Lächerlichen gezogen" und nicht den Eindruck einer Identifikation erweckt, begründete Oberstaatsanwalt Andreas Grossmann weiter. Der Tatbestand von Paragraf 86a des Strafgesetzbuchs sei deshalb nicht erfüllt. Er stellt die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen unter Strafe.

Gegner jeglicher Ideologie

Im August 2013 hatte das Amtsgericht Kassel Meese bereits in einem ähnlichen Fall freigesprochen. In Kassel hatte er bei einem SPIEGEL-Gespräch zum Thema "Größenwahn in der Kunst" eine "Diktatur der Kunst" gefordert und den Arm zweimal zu dem verbotenen Gruß gehoben. Die Staatsanwaltschaft legte zunächst Revision gegen das Urteil ein, zog diese dann aber zurück. Die Begründung der vorsitzenden Richterin war ähnlich wie in diesem Fall. Sie sah den Nazi-Gruß als Teil einer Performance und wertete die Geste als Verspottung der NS-Symbolik.

Der 43-jährige Meese beschäftigt sich in seiner Arbeit immer wieder auf provokante Weise mit dem deutschen Nationalverständnis. Sich selbst bezeichnet er als Gegner jeglicher Ideologie. Er beansprucht auf seiner Homepage, "einzig und allein der Gerichtsbarkeit der Diktatur der Kunst" zu unterstehen. 2016 soll Meese bei den Bayreuther Festspielen Wagners "Parsifal" inszenieren.

seh/dpa

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pwaldow 14.08.2013
1.
Wieso darf man dann bitte Filme und Theater zum Thema Hitler machen?
Ratzbär 14.08.2013
2. Entscheidung
Zitat von sysopDarf der Künstler Jonathan Meese den Hitlergruß zeigen? Was wiegt mehr: die Freiheit der Kunst oder das Verbot nationalsozialistischer Symbole? Die Frage zum Prozeß: Wie würden Sie entscheiden?
Wenn dieser Auftritt als Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole geahndet wird, dann, und hiermit schließe ich mich einem Vorredner an, wird es künftig schwierig sein, sich künstlerisch mit der Ideologie und dem III. Reich an sich auseinanderzusetzen (Stichworte: Film, Theater etc.).
W. Robert 14.08.2013
3. Publicity
Ich hätte niemals einen Prozess angestrengt, der diesem Selbstdarsteller mit seinen billigen Provokationen eine unnötig große Publicity verschafft. Hier gilt eindeutig das Bushido-Prinzip: Viel Wirbel mit wenig Aufwand. Bald macht der gute Herr Meese in Bayreuth jede Menge Schlagzeilen. Wahrscheinlich wird man ihn gnadenlos ausbuhen. Die Schlagzeilen kann man dann in aller Welt lesen. Wirklich eine Marketing-Meisterleistung.
Andr.e 14.08.2013
4.
Zitat von W. RobertIch hätte niemals einen Prozess angestrengt, der diesem Selbstdarsteller mit seinen billigen Provokationen eine unnötig große Publicity verschafft. Hier gilt eindeutig das Bushido-Prinzip: Viel Wirbel mit wenig Aufwand. Bald macht der gute Herr Meese in Bayreuth jede Menge Schlagzeilen. Wahrscheinlich wird man ihn gnadenlos ausbuhen. Die Schlagzeilen kann man dann in aller Welt lesen. Wirklich eine Marketing-Meisterleistung.
Sehe ich ähnlich. Solchen Leuten sollte man jegliche Aufmerksamkeit entziehen - allerdings handelt es sich entfernt wohl um eine "Win-Win"-Situation. Das es dieser Thread dann tatsächlich über den Blog-status hinausgeschafft hat, verstört mich doch etwas.
walsch.rene 14.08.2013
5. Meinungsfreiheit eingeengt
Zitat von Andr.eSehe ich ähnlich. Solchen Leuten sollte man jegliche Aufmerksamkeit entziehen - allerdings handelt es sich entfernt wohl um eine "Win-Win"-Situation. Das es dieser Thread dann tatsächlich über den Blog-status hinausgeschafft hat, verstört mich doch etwas.
Das Problem sind nicht Künstler und die alte Frage "Kunst oder Provokation?" (es sind ohnehin meist Synonyme). Das Problem ist, dass mit der Benutzung von Nazisymbolen, Holocaustleugnung u.ä. bestimmte Meinungen (gemeint oder gespielt) per Gesetz in Deutschland von der Meinungsfreiheit ausgenommen sind. Vielen erscheint das historisch zwar nachvollziehbar, aber es bleibt eine Verletzung des Prinzips der Meinungsfreiheit, so widerlich die Meinung auch immer sein mag. Einem bunten Vogel wie Meese Naziideologie zu unterstellen, ist lächerlich. Ich bin gegen eine Verurteilung. Ich wäre es selbst bei einem glühenden Alt- oder Neonazi. Viel lieber würde ich diesen meine Gegenmeinung wissen lassen - gern vorgetragen von Jonathan Meese.
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