Autor von "Euthanasie im NS-Staat" Historiker Ernst Klee ist tot

Mit seinem Buch über die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" im Nationalsozialismus wurde er international bekannt: Der Historiker und Sozialpädagoge Ernst Klee ist 71-jährig gestorben. Klee klärte unermüdlich Verbrechen auf, die Ärzte im "Dritten Reich" begingen.
Ernst Klee: Historiker, Sozialpädagoge und Theologe

Ernst Klee: Historiker, Sozialpädagoge und Theologe

Foto: Frank May/ dpa

Frankfurt am Main - Der Historiker, Sozialpädagoge und Theologe Ernst Klee ist tot. Wie der S. Fischer Verlag am Samstag mitteilte, starb Klee nach langer schwerer Krankheit mit 71 Jahren in seiner Frankfurter Wohnung. Jahrzehntelang kämpfte Klee als Forscher für die Aufarbeitung der NS-Zeit. Nüchtern und akribisch setzte er sich vor allem mit den Gräueltaten an Behinderten und seelisch Kranken im Nationalsozialismus auseinander.

Internationales Renommee erwarb sich Klee bereits 1983 mit seinem Buch "Euthanasie im NS-Staat. Die Vernichtung lebensunwerten Lebens", in dem er bis dahin weitgehend unbekanntes Archivmaterial zu diesem Themenkomplex erschloss. 1997 erschien sein Buch "Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer", das die Rolle der Medizin in der Zeit beleuchtet. Es beschreibt unter anderem die Experimente, die Ärzte im Namen der medizinischen Forschung an wehrlosen Menschen vornahmen.

In Werken wie "Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945", "Was sie taten - Was sie wurden" und "Persilscheine und falsche Pässe" spürte Klee unter anderem Medizinern und Juristen nach, die während des Nationalsozialismus an der Ermordung von Kranken und Juden beteiligt waren und in der Bundesrepublik Karriere machten.

Der Name Ernst Klee stehe für Zivilcourage, teilte der Verlag mit. Er habe wie kein anderer in Archiven Material gesichtet und an die Öffentlichkeit gebracht, Täter enttarnt und Opfern ihre Namen und ihre Geschichte gegeben. Im August 2013 erscheine sein letztes, von ihm noch autorisiertes Buch: "Auschwitz - Täter, Gehilfen, Opfer. Ein Personenlexikon".

Klee erhielt für seine Abhandlungen unter anderem die Goethe-Plakette seiner Heimatstadt Frankfurt am Main, den Geschwister-Scholl-Preis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Stadt München sowie den Adolf-Grimme-Preis überreicht.

dba/dpa
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