Exhumierung gefordert Ließ Pinochet Pablo Neruda ermorden?

Die chilenische Geschichte wird aufgearbeitet - indem Leichen ausgegraben werden. Nach Salvador Allende soll nun auch der Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda exhumiert werden, fordert die KP Chiles. Die Partei ist überzeugt, dass ihr Genosse Neruda von der Militärjunta getötet worden sei.

Schriftsteller Neruda im italienischen Capri, 1952: Was war in der mysteriösen Spritze?
AP

Schriftsteller Neruda im italienischen Capri, 1952: Was war in der mysteriösen Spritze?


Santiago de Chile/Hamburg - Seine Poesie mache "Schicksal und Träume eines Weltteils lebendig", urteilte die Schwedische Akademie der Schönen Künste 1971 und verlieh Pablo Neruda den Literatur-Nobelpreis. Nun soll die Leiche des chilenischen Schriftstellers ausgegraben werden. Chiles Kommunistische Partei will die Gebeine Nerudas exhumieren lassen, um sie auf eine mögliche Ermordung des Dichters zu untersuchen.

Der Anwalt der Partei, Eduardo Contreras, übergab nach eigenen Angaben dem Richter Mario Carroza, der seit Juni in dem Fall ermittelt, am Montag einen entsprechenden Antrag. Contreras sagte, Untersuchungen hätten ergeben, dass die offizielle Version, wonach Neruda knapp zwei Wochen nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 an Prostatakrebs gestorben sei, nicht zutreffe.

Vielmehr sei Neruda einem Herzinfarkt erlegen, sagte Contreras. Nerudas Chauffeur Manuel Araya habe ausgesagt, dass er den Poeten kurz vor seinem Tod am 23. September 1973 in eine Klinik gebracht habe. Kurz darauf hätten der Fahrer und Nerudas Ehefrau einen Anruf erhalten: "Kommt schnell, während ich schlief, kam ein Doktor ins Zimmer und hat mir eine Spritze gegeben."

Offen ist, was in jener mysteriöse Spritze war. "Der einzige Weg, um das herauszufinden, ist eine Exhumierung und eine gerichtsmedizinische Untersuchung", sagte der Anwalt.

Neruda wurde insbesondere durch seine Liebesgedichte sowie durch den "Canto General" ("Der große Gesang"), ein episches Gedicht über Südamerikas Geschichte, bekannt. Die Werke des Autors, der zu den führenden Mitgliedern der Kommunistischen Partei Chiles zählte, waren während der Militärjunta von Augusto Pinochet zwischen 1973 und 1990 verboten.

Im Mai dieses Jahres war bereits der Leichnam des von Pinochet gestürzten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende exhumiert worden. Es waren Zweifel aufgekommen, ob Allende sich wirklich mit zwei Gewehrkugeln selbst getötet habe. Ein internationales Expertengremium bekräftigte im Juli allerdings, die Ursache für Allendes Tod sei tatsächlich Selbstmord gewesen.

feb/afp/AP



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