Bauhaus-Direktorin zu Feine Sahne Fischfilet "Ich wollte nicht die Kunstfreiheit einschränken" 

In einem Interview äußert sich die Direktorin des Bauhauses zu der Absage an den Auftritt einer linken Punkband. Claudia Perren bemüht sich um Schadensbegrenzung, verteidigt die Entscheidung aber.

Bauhaus-Direktorin Claudia Perren
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Bauhaus-Direktorin Claudia Perren


Mit der Absage an die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet wollte die Dessauer Kulturinstitution Bauhaus nicht die Freiheit der Kunst einschränken. Das sagte die Direktorin Claudia Perren "Zeit Online". Sie räumt in dem Gespräch ein, durch die Pressemitteilung sei es zu einer "Schieflage" gekommen.

"Uns ist es völlig bewusst, dass wir uns in dieser aktuellen Situation stärker positionieren müssen", sagt Perren zu dem Vorwurf, das Bauhaus entziehe sich wichtigen gesellschaftspolitischen Debatten. In der Pressemitteilung hatte es geheißen, das Bauhaus sei ein unpolitischer Ort, der extremen Positionen, ob von rechts oder links, keine Plattform bieten wolle.

In dem Gespräch weist Perren nun darauf hin, das Bauhaus, das von den Nationalsozialisten verboten wurde, sei zwar nicht parteipolitisch, aber gesellschaftlich engagiert. Es arbeite mit 14 Schulen zusammen, sei auch international vernetzt. Sie übernimmt die Verantwortung dafür, dass dieses Engagement in der Pressemitteilung keinen Niederschlag fand.

Offener Protestbrief gegen die Absage

Der wahre Grund für die Absage sei Perren zufolge die Sorge um das Bauhaus-Gebäude gewesen, das eine UNESCO-Welterbestätte ist. Man dürfe die Bauhausbühne nicht einmal in kratzigen Schuhen betreten: "Da darf kein Nagel in die Wand, ohne dass wir uns mit der Denkmalschutzbehörde abgesprochen haben."

Inzwischen protestieren 200 Kulturschaffende und Architekten in einem offenen Brief gegen die Entscheidung, das Konzert abzusagen. Zu den Unterzeichnern gehören die Künstlerinnen Hito Steyerl und Anne Imhof. In dem Brief heißt es, die jetzige Entscheidung der Stiftung sei "erschreckend geschichtsvergessen". Gefordert wird, "dass die Kontrollgremien von Kultureinrichtungen in Zukunft zumindest hälftig mit Fachvertreter/innen und Vertreter/innen der Zivilgesellschaft besetzt werden".

Ein AfD-Abgeordneter aus Dessau hatte die Absage als Erfolg für sich reklamiert. Dieser Darstellung widerspricht Perren im Interview: "Der Abgeordnete hat hier etwas behauptet, was einfach nicht der Wahrheit entspricht." Die Entscheidung sei schon vor der Stadtratssitzung gefallen.

Das Konzert von Feine Sahne Fischfilet wird nun im Anhaltinischen Theater in Dessau stattfinden. Auch dessen Verantwortliche hatten die Band zunächst ausgeladen, stimmten dann aber doch zu. Claudia Perren, die die Musik der Band nach eigener Aussage zuvor nicht kannte, sagt dazu im Interview: "Ich freue mich, dass sie einen anderen Ort gefunden haben."

kae/dpa

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Seite 1
static_noise 24.10.2018
1.
Was für eine Rolle spielen Kooperationen mit Schulen in denen es vermutlich nur um das Bauhaus an sich geht für eine Rolle hinsichtlich der Positionierung gegen rechte Gewalt, das ist billiges Whitewashing. Die Presse Mitteilung habe ich vollständig im Original gelesen, da geht es EXPLIZIT darum, dass es bereits Aufmärsche der Rechten vor der Tür gab und man das nun vermeiden möchte. Nirgends ein Sterbenswörtchen von "Bauauflagen" die jetzt nachgeschoben werden. Und selbst wenn, hat jemand denn dann versucht der Band Auflagen zu machen bezüglich der Bühne, also verzichtet auf 'kratzige Schuhe? Ist ja nicht so, dass da bisher nur Kammermusik gespielt wurde: https://www.bauhaus-dessau.de/de/buehne/zdfbauhaus.html Mit Verlaub wehrte Frau Perren, das sind Ausflüchte und peinliche Schdensbegrenzung. Da fände ich es glaubwürdiger und sogar leichter zu akzeptieren wenn Sie sagen würde "JA, wir haben gekniffen, es war uns zu heikel, dass der Mob uns die Scheiben einschmeißt!"
daniel77b 24.10.2018
2. Im Osten nichts Neues -
Es ist ein gutes Beispiel für das mangelnde Engagement für Zivilgesellschaft gerade von ostdeutschen FunktionsträgerInnen. Nach einer schlechten Entscheidung und einer missglückten PM die "wahren Gründe" verdruckst hinterherschieben, das ist schon Satire, wenn man es einfach nur ausgeschmückt beschreibt. Einziger Trost: Die Bauhaus-Idee ist zu groß und zu kosmopolit, um durch ein solch stümperhaftes Verhalten ernsthaft einen Image-Schaden zu erleiden.
sven2016 24.10.2018
3. Dünn
Den ersten Kommentatoren kann ich nur zustimmen. Nach der ersten Erklärung liest sich die neueStellungnahme doch zu arg zusammengeflickt, um noch glaubhaft zu wirken. Angst vor rechten Mob kann man verstehen, das argumentative Wegducken nicht. Aber ich muss ja auch nicht im Osten leben; vielleicht ist es da schon schlimmer als man denkt.
felisconcolor 24.10.2018
4. Es
war schon interessant zu lesen das die CDU und auch die AfD gegen den Auftritt in einem ZDF Konzert waren. Für mich ist das politische Beeinflussung aus der konservativen und ultrakonservativen Ecke gegenüber dem ÖR. Und das ZDF sowie das Bauhaus in Dresden waren sich nicht zu schade dieser Beeinflussung nachzugeben. Die jetzige Erklärung ist nicht nur dürftig sondern ist in ihrer Aussage eigentlich nur eine Bestätigung dafür das man politisch beeinflusst wurde.
biber01 24.10.2018
5. Songtexte
Nach dem öffentl. Wirbel um "feine Sahne Fischfilet" hab' ich mir eben einige Liedtexte der Gruppe angesehen. Die Texte zu "Wut" u. Staatsgewalt" sind m.Mng. nach teilweise blanker Hass u. Hetze. Kann jetzt verstehen, das Auftritte dieser Gruppe umstritten sind.
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