Ferkel-Auftritte Türkische Regierung verbannt "Winnie Pu" aus dem Fernsehen

Die islamistisch geprägte Regierung der Türkei hat dafür gesorgt, dass der Sender TRT den Zeichentrickfilm "Winnie the Pooh" nicht mehr zeigen darf. Der Grund: Ein Ferkel als Freund des tapsigen Bären tauchte zu oft auf - und für Muslime sind Schweine unreine Tiere.


Ankara - Wegen zu vieler Ferkelauftritte hat die islamistisch geprägte türkische Regierung "Winnie the Pooh" aus dem Programm eines Fernsehsenders verbannt. Zunächst habe der von der Regierung kontrollierte Sender TRT Szenen mit einem der besten Freunde von "Winnie Pu", dem Ferkel, herausschneiden wollen, berichtete die linksgerichtete Zeitung "Cumhuriyet" am Samstag. Weil das Ferkel zu oft auftauchte, sei dies aber nicht möglich gewesen. Deshalb sei der gesamte Zeichentrickfilm gestrichen worden. Für Moslems sind Schweine unreine Tiere, der Islam verbietet den Verzehr von Schweinefleisch.

"Winnie the Pooh": Weltweit bekanntes Kiderbuch

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"Winnie the Pooh" ist ein Kinderbuchklassiker des schottischen Autors Alan Alexander Milne, der den "Bär von sehr geringem Verstand" auf ewiger Honigsuche in den zwanziger Jahren erfand. Zur festen Belegschaft der Geschichten zählen das furchtsame Ferkel, der traurige Esel I-Aah, ein harmloser Tiger, ein Karnickel. Die Bücher wurden in 30 Sprachen übersetzt; weltweit bekannt machten die Figuren seit 1966 Disney-Verfilmungen.

Das TRT-Management verbot laut Zeitung auch zahlreiche andere Trickfilme mit Schweinen. TRT-Vertreter äußerten sich zunächst nicht zu der Entscheidung. Auf anderen Kanälen wurden die "Winnie the Pooh"-Filme ausgestrahlt, auch die Videos sind leicht in türkischen Läden zu bekommen.

Die Beschäftigten von TRT hatten sich kürzlich über das zunehmende Eingreifen der Regierung in die Progammpolitik des Senders beklagt. Der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird vorgeworfen, sich aus religiösen Gründen immer mehr vom Laizismus zu entfernen.

jol/AFP



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