Festival "Duisburger Akzente" Moslem-Tüv und schwarze Jungfrauen

Der Bosporus ist ein Sehnsuchtsort - für Türken wie für Deutsche. Ein Festival im Ruhrpott widmet sich dem "Tor der Kulturen" nun mit Theater, Kunst, Film, Literatur und Wissenschaft. Manchmal auf Deutsch, manchmal auf Türkisch.

Genaugenommen ist der Bosporus nur eine Meerenge. Er ist ungefähr 30 Kilometer lang, verbindet das Schwarze Meer im Norden mit dem Marmarameer im Süden, teilt die Stadt Istanbul mittendurch und trennt Europa von Asien.

Aber der Bosporus ist auch ein Sehnsuchtsort - natürlich für die Menschen, die von dort stammen und seit Jahrzehnten in Berlin, Duisburg oder München leben, aber auch für die, die nicht viel mehr davon kennen als den schönen Klang des Namens. "Ich war noch nie am Bosporus" heißt ein Theaterabend, der diese Sehnsucht zum Thema hat und am 26. April im Rahmen der Duisburger Akzente im Marxloher Medien-Bunker Premiere feiert.


Das Stück dreht sich um eine junge Frau, deren Verlobter an den Bosporus gegangen ist und sie allein zurückgelassen hat in Duisburg-Marxloh. Sie hofft immer noch auf seine Rückkehr und richtet eine Teestube ein, die ihrem Sehnsuchtsort ein Gesicht geben soll: Mit Dias, Geschichten und Musik versucht sie sich ein Bild zu machen. Für das Stück haben der Regisseur Dirk Schwantes und sein Team Menschen in Duisburg interviewt, die tatsächlich schon mal am Bosporus waren.

Der Bosporus als "Tor der Kulturen" ist das übergeordnete Thema der 32. Duisburger Akzente vom 24. April bis 10. Mai. Und damit ist auch gemeint, dass man mit dem Programm beide Kulturen ansprechen will: Einige der Lesungen sind auf Türkisch, andere auf Deutsch, der Schauspieler und Kabarettist Fatih Cevikkollu macht sich in seinem Programm "Der Moslem-Tüv" über beide Seiten lustig, und die Autoren Günter Senkel und Feridun Zaimoglu lassen in ihrem neuen Stück "Schwarze Jungfrauen II" wieder junge, in Deutschland lebende Musliminnen zu Wort kommen, die weder den Klischees und Rollenbildern entsprechen wollen, die ihnen in Deutschland zugeordnet werden, noch denen aus ihren Herkunftsländern.

Im Filmprogramm läuft natürlich Fatih Akins Istanbul-Hommage "Auf der anderen Seite" - in Türkisch mit deutschen Untertiteln.

Und wem das alles noch zu übersichtlich ist, für den gibt es "Ashura", einen Liederabend in zwölf verschiedenen Sprachen, der darauf verweist, dass Anatolien, im Schnittpunkt strategischer Interessen zwischen Ost und West gelegen, immer ein Schmelztiegel von beeindruckender Vielfalt war und hoffentlich bleibt.


Festival Duisburger Akzente.  24.4.-10.5.